Das ARD-Magazin Panorama hat einfach mal PEGIDA-Demonstranten reden lassen und auch das Ausgangsmaterial für den Beitrag online gestellt. Im Speziellen fielen mir die Äußerungen einer Frau auf, die offensichtlich Angst hat, dass „der Islam zur Staatsreligion“ erhoben würde.

Ein kleiner Fun-Fact am Rande: Wir haben in Deutschland gar keine Staatsreligion, sondern Religionsfreiheit. Auch um Weihnachten müssen wir uns keine Sorgen machen, wie eine andere Demonstrantin befürchtet. Das schlimme für mich ist, dass es nichtmal eines Faktenchecks benötigt um diese Vorurteile zu entkräften, sondern dass ein Fünftklässler mit einem Grundgesetz und einem Internetzugang sich diese Fakten leicht beschaffen kann.

Ich bin wirklich entsetzt ob dieser einfach gestrickten rassistischen Ressentiments. Menschen, die sich mit Ausländern nur unterhalten um „Einmal Döner mit alles und Scharf!“ zu bestellen haben irgendwelche diffusen Ängste. O tempora o mores!

Unter dem Artikel bei Panorama gibt es natürlich auch viele Kommentare, einer lautet so:

[…] Jeder zitiert irgendwelche Statistiken und Zahlen, und ja die sind alle 100% richtig. (lächerlich). Aber die gefühlte Statistik sieht nun mal anders aus!

Genau! Und in der gefühlten Bundesliga spielt Dortmund um die Meisterschaft mit. Und bei gefühlten Wahlen gewinnt die NPAfD. Und gefühlt war früher eh alles besser.

Heinz Wittenbrink hat ein „vorsichtiges Plädoyer für eine Doppelstrategie“ zum Posten von Beiträgen auf Medium und einem eigenen Blog veröffentlicht. Darin geht es auf der einen Seite um „SEO“ (¯_(ツ)_/¯) und zum anderem darum ob es überhaupt sinnvoll ist noch auf seinem eigenen Blog zu publizieren:

Wie sinnvoll ist es, dieselben Texte bei Medium und im eigenen Blog zu publizieren? Seit ich Medium kenne, frage ich mich, ob ich nicht mit meinem eigenen Blog überhaupt aufhören soll.

Aus der Sicht der Nutzer ist Medium fast jedem Blog überlegen. Das Design ist besser, man muss sich nicht mit einer unübersichtlichen Navigation herumschlagen. Wenn man die wenigen Konventionen verstanden hat, kann man sich auf die Texte und Medien konzentrieren und wird nicht von einer mehr oder weniger aufdringlichen „persönlichen Note“ abgelenkt.

Die Prämisse, dass Medium Blogs überlegen ist, teile ich nicht. Viele Blogs sind schön und aufgeräumt gestaltet, und selbst wenn man das Design von Medium als das Nonplusultra ansieht, dann ist eine gute Typo schnell auch auf das eigene Blog übertragen. Es gibt dutzende fertige Themes (kleiner Auszug). Zudem finde ich die persönliche Note wichtig bei Blogs, ich lese die Texte ja wegen den Menschen, die sie schreiben. Blogs sind etwas vertrautes und die persönliche Note in Blogs wegzunehmen wäre für mich wie den Schreibstil des Autors zu vereinheitlichen.

Das Vereinheitlichen von Design und Bildsprache läuft für mich auf eine Entindividualisierung der Texte hinaus. Der Fakt, dass der Helligkeitskontrast des Autornamens mit 2.1 nahezu unsichtbar ist (er sollte 4.5 betragen um lesbar zu sein) spricht ebenfalls dafür. Inhalte werden Medium zugeschrieben, es macht sich diese Inhalte visuell zu eigen.

(Einschub: Für mich steht das nicht im Kontrast dazu, dass ich die meisten Texte im Feedreader lese. Bei gut gestalteten Angeboten besuche ich die Website, wenn mich der Text interessiert und lese dort weiter.)

Das ist aber nicht das eigentliche Problem. Publishing-Plattformen erscheinen und gehen schnell. Man sieht am Beispiel Vox, Posterous oder Geocities wie schnell es gehen kann. Die eigenen Inhalte sind weg oder mit viel Glück unter einer anderen URL auffindbar. Jeremy Keith stellt die Probematiken sehr übersichtlich in diesem Vortrag dar.

Ich sehe durchaus den Wert von Medium als Weg Leser zu erreichen, was legitim ist, und daher ist es natürlich auch völlig in Ordnung seine Texte dort zu duplizieren. Dies muss aber so geschehen, dass es klar ersichtlich ist, welches das Original ist. In der Indieweb-Community wird dies POSSE genannt: „Publish on your Own Site, Syndicate Elsewhere“ (etwa: „Auf der eigenen Seite publizieren woanders einstellen“). Damit dies ordentlich gelingt benötigt die Medium-Variante einen Link auf den „richtigen“ Blogpost, am Besten mit einem rel="canonical"-Attribut.

Was mich allerdings auch bei Medium stört ist die mangelnde Barrierefreiheit (z.B. unbeschriftete Buttons, mangelnde Kontraste). Zudem habe ich noch nicht herausgefunden wie ich meine Freunde per RSS-Feed abonniere. Ist aber auch nicht so schlimm. Den Artikel von Heinz habe ich über den RSS-Feed seines Blogs gefunden, der Mediumlink wäre längst in den Untiefen meiner Twitter- und Facebook-Timeline verschwunden.

Robert Lender hat mir ob der Veröffentlichung von HTML5 als „Recommendation“ drei Fragen gestellt, die ich hier in diesem Blogpost beantworten möchte:

Kannst du kurz erklären, was es bedeutet, dass HTML5 jetzt als „Recommendation“ vorliegt?

In der Frage steckt schon viel drin was erklärt werden muss. HTML5 ist die neue Version der Sprache die den Inhalt von Webseiten auszeichnet, also beispielsweise definiert welcher Text eine Überschrift ist oder wie eine Tabelle inhaltlich strukturiert ist. Der „Vorgänger“ ist HTML 4.01 bzw. XHTML 1.0.

Eine „Recommendation“ ist eine Stufe, die Spezifikationen im World Wide Web Consortium (W3C) erreichen können. So bezeichnete Dokumente werden zur Verwendung empfohlen und ein Dokument durchläuft mehrere Schritte bis es soweit ist: Zuerst wird an dem Dokument gearbeitet (Working Draft), dann gibt es eine „Candidate Recommendation“-Phase deren Ziel es ist herauszufinden ob und wie der neue Standard implementiert werden kann. Sollte noch Handlungsbedarf bestehen, so kann eine weitere „Working Draft“-Phase folgen.

Aus der „Candidate Recommendation“ wird schließlich im Optimalfall eine „Proposed Recommendation“. Hier wird  geprüft ob die Spezifikation die formalen Anforderungen an eine Veröffentlichung als Empfehlung erfüllt – unter anderem gehören dazu zwei unabhängige Implementationen des Standards. Die Regeln sind also sehr streng.

In der Praxis bedeutet das für Webdesigner und -entwickler, dass Sie nicht überrascht werden, da sie HTML5-Elemente und Funktionen bereits seit längerem nutzen, gegebenenfalls mit Fallbacks für ältere Browser.

Für Browserhersteller, Regierungsorganisationen und andere Standards-Gremien hilft es aber Funktionen anzupassen, Regulierungen oder Ausschreibungen verbindlicher zu machen oder Browser oder Geräte auf HTML5-Unterstützung zu zertifizieren.

(Die Antwort auf Roberts Frage „kannst du kurz erklären“ lautet also: Nein. ;-)

Welche Vorteile/Neuerungen bringt HTML5 für ein barrierefreies Web?

Zum einen gibt es mehr Elemente um gewisse Bereiche auf der Seite zu definieren, das <main>-Element zum Beispiel zeichnet den Hauptinhalt der Seite aus. Diese Informationen stehen Assistive Technologien, wie Screen Readern oder Spracheingabesystemen tu Verfügung. Auch neue Formularelemente gibt es, so kann bspw. einfach per <input type="email"> die Eingabe einer E-Mail-Adresse erzwungen werden, der Browser kümmert sich vor dem Absende des Formulars sogar darum eine Fehlermeldung anzuzeigen, falls keine E-Mail-Adresse eingegeben wurde.

Audio- und Video-Dateien können nun ohne Dritttechnologien wie Flash, Silverlight oder Quicktime eingebunden werden und ermöglichen es Browsern damit Steuerelemente anzuzeigen die für jeden bedienbar sind. Auch Untertitel sind möglich. Barrierefreiheit wird also eingebaut und muss nicht (teilweise mühevoll) hinzuprogrammiert werden. Das macht das Web automatisch ein wenig barrierefreier.

Einige sehr praktische Technologien haben es nicht in HTML5 geschafft, wie zum Beispiel eine einheitliche Möglichkeit Dialoge zu beschreiben, da es noch nicht genug Browserunterstützung dafür gibt. Ich denke aber die Chancen stehen gut noch mehr von solchen Technologien in HTML5.1 zu finden.

Wo siehst du die Besonderheiten von HTML5 und seine Vorteile für das Web bzw. uns NutzerInnen?

Die Besonderheit von HTML im Allgemeinen und HTML5 im Besonderen ist die Universalität. Webtechnologien sind überall. Viele „native“ Apps für Mobiltelefone nutzen unter der Haut Webtechnologien um Inhalte anzuzeigen, E-Book-Standards (EPUB3) basieren auf HTML5 und erlauben so Bücher mit interaktiven Elementen wie Videos. Und da HTML auf größtmögliche Barrierefreiheit setzt bedeutet das auch für viele andere Anwendungen barrierefreie Grundlagen.

HTML5 ist zudem „einfach nur“ Text mit ein paar Anweisungen. Ein gut geschriebenes HTML-Dokument kann ich selbst Laien vorlegen und sie werden mit wenig Mühe den Inhalt der Seite lesen und verstehen können. Für viele andere Formate werden spezielle Leseapplikationen benötigt, entscheidet sich der Hersteller dieser Applikationen diese nicht mehr zu unterstützen ist der Inhalt meist unwiederbringlich verloren.

 

Offenlegung: Ich gehöre zum W3C-Team und war vor Jahren kurz aktiv in der HTML5-Arbeitsgruppe des W3C. Dieser Artikel spiegelt meine persönliche Meinung wider.

Marco Zehe wundert sich in seinem Blog über die Frage ob zusammen oder getrennt gezahlt werde, wenn er mit seiner Frau Gastronomie in Anspruch nimmt.

Warum diese Frage? Stellen Kellner die heutzutage jedem Paar, das ohne Kinder unterwegs ist? Sehen wir nicht wie ein Pärchen aus? Warum wird uns in unschöner Regelmäßigkeit diese Frage gestellt? Werden wir für Betreuerin und zu Betreuender gehalten?

Ich glaube man kann beruhigend sagen, dass die Frage mittlerweile Standard ist, da nicht mehr automatisch angenommen wird, dass ein Mann und eine Frau, die miteinander essen ein Paar sind, bei zwei Männern, zum Beispiel, wird das ja in der Regel auch nicht angenommen. Ich persönlich bin immer froh darüber, wenn Kellner & Kellnerinnen so wenig wie möglich über mein Privatleben und Sinn und Zweck des Zusammenkommens spekulieren. Oft bekommen Sandra und ich mit, dass (unser) „Tisch mit den beiden Damen“ gerne die Rechnung hätte, ganz einfach weil der Kellner oder die Kellnerin nicht richtig hin schaut und aufgrund meiner runden Gesichtszüge und den langen Haaren annimmt, ich müsse doch eine Frau sein.