01.12.08 // e-Inclusion-Konferenz

Angekommen bei der e-Inclusion-Konferenz in der Messe Wien. Ich werde versuchen diesen Blogpost so aktuell wie möglich zu halten.

e-Accessibility: A Dummies Guide to Web Accessibility

Aus der Beschreibung:

“What is all the fuss about? So my website is not accessible? So what!’
Get an executive insight into how you can significantly improve your
website through a few simple actions, leading to new markets and
customers, and even avoiding costly legal battles! No HTML
experience required!”

Eingangsbeschreibung von Judy Brewer, die die grundsätzlichen Aktivitäten der WAI vorstellt und dabei auch die WAI-Folie (ATAG/ WCAG/ UAAG).

Steven Sintini zeigt nun mehrere Gründe für zugängliche Webseiten: Gesetzliche Vorlagen, nachhaltigere Webseiten, bessere Findability. Er stellt automatische Testverfahren vor, sagt aber, dass diese nicht ausreichen. Er empfiehlt mit validem HTML/CSS im Testverfahren anzufangen, dann halbautomatische Prüfung durch Tools, anschließend sollte man einen Experten konsultieren und danach User Testing.

Nun stellt er die A.I.S. Web Accessibility Toolbar vor und zeigt ein Video von ihrer Benutzung an der W3C-BAD-TF-Beispiel Citylights. Eine Seite, die wir in der Task Force gerade überarbeiten. Keine tiefgehende Vorstellung, aber eine gute Einführung in die Materie.

Nun Alexander Fase. In den Niederlanden sind die WCAG auch nationaler Standard. Wir sollten uns nicht auf die behinderten und älteren Menschen konzentrieren, sondern auch auf Mobiltelefone, PDAs usw. Und Google. Wenn man auf die Äußerlichkeiten der Webseiten schaut, dann gibt es keinen Unterschied, allerdings haben die zugänglichen Seiten auch wirtschaftliche Vorteile: Wiederverwendbarkeit, ROI, einfachere Redesigns.

Zu WCAG1, Prioritäten 1&2, gibt es Qualitätskriterien in den Niederlanden, die aus Best Practices bestehen. Unter anderem Semantics, Building with Layers, Sustainability, Seperation of Content, Design & Function.

Weshalb dieses Qualitätsmodell? Um den Webentwicklern tools in die Hand zu geben. Verpflichtend auf Bundesebene, adaptiert von Kommunen und Fronteers (die niederländischen Webkrauts). Einen Überblick gibt es unter webguidelines.nl.

Matt May von Adobe geht auf den No HTML required-Part der Einleitung ein und beschreibt WYSIWYG-Editoren und dass die Inhalte durch CMSe gehen.

“When you create content, you are the master of that content. People have to understand that.” Matt May

Er empfiehlt den Marktdruck um diese Aufgaben zu lösen. Es ist wichtig mehr Druck auf die Hersteller von CMSen auszuüben, frage nach validem HTML, zugängliche Templates, zugängliche Komponenten und Dokumentationen. ATAG ist wichtig, damit man grundlegende Richtlinien hat, die man an Entwickler herantragen kann.

„Expect More from Your Authoring tools“ – Es ist wichtig auch mit den Autoren selbst über diese Dinge zu reden, statt Millionen in die tools zu stecken. Prozesse müssen ebenfalls optimiert und angepasst werden. Trainings für Autoren sind noch viel zu wenig beachtet, die Richtlinien müssen den individuen bekannt sein. Wichtige Richtlinien: Alt-Text, Text-Größen, Struktur (Überschriften, Listen, Tabellen), Farben (Kontrast, Farbenblindheit), Tastaturnavigation.

Christelle Lortet von voyages-sncf.com, eine fast 2 Milliarden Euro schwere Reiseplattform, Marktführer in Frankreich. Seit letztem Jahr ist Accessibility Teil jedes Projekts. Das Design hatte sich nach dem Expertenrat minimal verändert, diese Änderungen sollten jeden überzeugen, dass es keine großartigen Änderungen geben muss. Es gab für alle Accessiweb Training mit Braillenet.

Die nächsten Schritte sind alle Buchungsanfragen zugänglich zu machen, dann auch die Angebote und danach alle “train services”.

Zuschauerfragen sind wenig interessant, die Antworten schon. Wir sollten mehr inclusive mit Technologien sein, sonst haben wir in 20 Jahren nur noch statisches HTML. WCAG2 bereitet auch den Weg für diese neuen Technologien. Wer sich nicht mit Accessibility auseinander setzt, der hat in der Industrie nichts zu suchen. Viele Teenager, die hier rein gewachsen sind, kennen sich mit den sozialen Implikationen aus. Sie sollten in verantwortungsvolle Positionen kommen.

Insgesamt für eine Konferenz mit dieser Art von Publikum sicher ein gutes Panel, die Argumente waren insgesamt reichlich einfach und bei weitem bekannt. Eine tiefergehende Diskussion wurde leider vermieden.

Tim Berners Lee

Zur Videobotschaft vom Tim Berners Lee kam ich leider ein wenig zu spät, so dass ich nur noch ein paar Minuten lauschen konnte. Insgesamt ging er auf Webstandards ein („die WCAG2 werden noch in diesem Jahr erwartet“) und redete allgemein über die Wichtigkeit von Accessbility. Insgesamt nicht die packende Rede, die ich mir insgeheim erhofft hatte.

Meet Martha and Joe

Nach dem Mittagessen habe ich mir dann noch interaktives Theater angeschaut. “Meet Martha and Joe” zeigte anhand eines „intelligenten Haushalts“ welche Probleme es bei der Verwendung von neuen Technologien gerade mit älteren Menschen geben kann. Dabei unterwarf sich das Paar vollständig dem Diktat der Maschine, weil sie viel erleichtert, auf die Gesundheit achtet und den Kontakt mit der restlichen Familie herstellt. Oftmals hieß es „Das system hat zwar Vor- und Nachteile, aber man kann ja nicht immer nur Vorteile haben und diese überwiegen doch auch“.

Die Exhibition

Die Ausstellung war relativ schwach, weder die kommerziellen Aussteller noch die zahlreichen NGOs konnten wirklich neues bieten und überzeugen. Überhaupt gab es wenig Interesse bei den Ausstellern. Lediglich das Projekt vom rumänischen IT-Ministerium, in dem 255 Orte mit Breitband-Internet bedient werden. Dabei wird in einer konzentrierten Aktion auch Schule, Verwaltung und Wirtschaft aktiv einbezogen, solch ein Programm ist im Westen wohl unvorstellbar, zu viele staatliche Stellen sind/wären involviert.

Den Rest des Nachmittags verbrachte ich dann mit interessanten Gesprächen mit den üblichen Verdächtigen. Insgesamt kein verschenkter Tag, man sollte sich aber fragen, ob die Vermischung der e-Inclusion-Themen nicht eher für Verwirrung führt, so wird Barrierefreiheit oft zu einem Thema für ältere Menschen gemacht. Wir bräuchten wirklich hochwertige Expertenrunden, statt seichter Unterhaltung. Das Theater war eine tolle Art eine Problematik zu vermitteln, genauso wie es der Karrikaturadventkalender von Bizeps ist.

Am letzten Tag der Veranstaltung morgen kann ich leider nicht teilnehmen, ich danke aber dem ÖIAT, Saferinternet.at und dem österreichischen Bundeskanzleramt für die Möglichkeit der Teilnahme danken.

Kommentare ()

  1. Link zu diesem Kommentarmacdet

    14. Dezember 2008, 21:19 Uhr

    Puh! Für nicht Insider wahrhaft starker Toback. Da andere Beiträge “hilfreicher” aber nicht mehr kommentierbar sind, spreche ich Die hier meinen Dank für deine Arbeit aus.

    Prima Seite mit vielen hilfreichen Tipps.