03.03.06 // Indien ist nicht der Iran

Ich fasse einmal zusammen:

Bin ich eigentlich der einzige, der das irgendwie widersprücklich findet? Anscheinend nicht. Andreas Zumach von der taz schreibt in seinem Artikel Bushs Geschenk für Ahmadinedschad:

Die beiden Staaten [Indien und Pakistan] hätten “nie so getan, als ob sie das Streben nach Nuklearwaffen aufgegeben hätten” [(John Bolton)] – anders als Iran. Der habe schließlich den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet und wolle dennoch heimlich Atombomben bauen.

Washington darf sich nicht wundern, wenn Boltons Äußerung im Iran und anderswo geradezu als Aufforderung verstanden wird, aus dem Abkommen auszusteigen, auch weiterhin nicht beizutreten (Pakistan, Israel) oder den vollzogenen Austritt nicht wieder rückgängig zu machen (Nordkorea).

Washingtons Nuklearpakt mit Delhi, der auf eine durch internationale Kontrollen gewährleistete strikte Trennung zwischen “zivilem” und militärischem Atomprogramm Indiens setzt, bringt die US-Regierung in Widersprüche zu ihrer bisherigen Behauptung der Unzuverlässigkeit internationaler Rüstungskontrollregimes. Eine Behauptung, mit der die präventive Militärstrategie von 2002 sowie der Irakkrieg begründet wurden und mit der demnächst vielleicht auch Angriffe gegen Iran gerechtfertigt werden. Wie die IAEO die ihr von den USA zugedachte Rolle wahrnehmen soll, die strikte Trennung zwischen “zivilem” und militärischem Atomprogramm Indiens – eines Nichtmitglieds des Sperrvertrages – zu überwachen, ist bislang nicht geklärt. Andreas Zumach, die tageszeitung vom 03.03.2006, Seite 2, Bushs Geschenk für Ahmadinedschad

Kommentare ()

  1. Link zu diesem KommentarBernhard

    4. März 2006, 11:06 Uhr

    Ja, Bush hat wirklich komische Vorstellungen von Diplomatie, Gerechtigkeit und Frieden …

    Aber seine Berater scheinen irgendwie auch nicht wirklich helle zu sein.

  2. Link zu diesem KommentarOliver

    7. März 2006, 14:56 Uhr

    Von Politikern wurde noch nie (und wird auch wohl nie) viel intelligenz erwartet. Wenn die gut genug lügen können reicht das doch schon um gewählt zu werden. Im Falle der USA wohl auch wer besser die Wahl manipuliert oder mehr Geld hat.

    Was soll’s.

    Dass die USA sichtlich widersrüchlich handelt ist wohl auch schon klar. Aber warum auf einemal die Probleme mit dem Iran. Was haben die nur, was die Amis an denen stören könnte? WAS nur? Die haben doch nur Ölfelder, so wie der Irak. Und sie sind auch nur Muslime. Das ist doch kein Grund sie nicht angreifen zu wollen. Darauf läuft es doch hinaus. Ist doch wieder klar.
    Im Gegensatz zum Iran hat Indien keine Ölfelder. Ganz klar. Die sind nicht interessant. Somit dürfen die machen was sie wollen. Mit denen kann man ja verhandeln. Tja. Ich sag mal 3 Monate. Dann rauscht’s wieder.
    Mein Tipp.

    bis denne
    Oliver

  3. Link zu diesem KommentarMarkus (Nr. 17)

    7. März 2006, 23:09 Uhr

    Wieder der typische anti-amerikanische Kommentar. Mir ist schon bewußt, daß die Bush Administration sehr viele Fehler gemacht hat in den vergangenen Jahren. Hier liegt sie jedoch richtig. Dem Iran darf nicht ein Millimeter nachgegeben werden. Ein Iran mit Atomwaffen, wäre eine absolute Katastrophe. Hoffentlich ist der Westen nicht wieder so dämlich und liefert wie vor dem Irak-Krieg ein Bild der Uneinigkeit ab. Damit verhindert man keinen Krieg, sondern nährt in den Diktaturen nur die Hoffnung einen nicht ernst zu nehmenden Gegner zu haben. Der Westen muss sich klar werden, daß diese agressiven Regime nicht unsere Werte und freiheitlichen Ansichten teilen. Vielmehr glauben sie wir wären schwach und sie könnten einen Keil in unsere westliche Wertegemeinschaft treiben. Bei allen Fehlern, die die USA gemacht haben, sie sind und bleiben der Garant unserer westlichen Freiheit und der Verteidiger unserer Werte auf der ganzen Welt. Die europäische Haltung ggü. den USA zeugt häuftig von einer Arroganz und Hochnäsigkeit, die mir vor dem Hintergrund der europäischen Geschichte nicht gerechtfertigt scheint.
    Die Amerikaner haben uns in Europa von einer schrecklichen Diktatur befreit, uns 50 Jahre lang vor den Kommunisten geschützt, Millosevic entfernt und – wenn auch unter fragwürdigen Vorwänden – Saddam aus dem Amt gejagt.
    Wenn es nach Schröder, Fischer und Chirac gegangen wäre, würde dieser Massenmörder immer noch in Bagdad sitzen, weiter morden und den Westen an der Nase herumführen.
    Du hast recht: Indien ist NICHT der Iran. Indien ist eine Demokratie, die seit Jahrzehnten verantwortungsvoll mit der militärischen Macht der Atombombe umgeht. Das ist der Unterschied zum Iran.

  4. Link zu diesem KommentarMichael

    8. März 2006, 00:04 Uhr

    Der Markus ruft den Abschleppdienst, wenn ich ihn zuparke? Das entspricht aber nicht meinen Werten und freiheitlichen Ansichten des Parkens. Deswegen rufe ich alle hier im Blog auf, die genauso denken mit mir loszuziehen und ihm eins auf Deckel zu geben. Seid nicht uneins mit mir, denn ich autorisiere mich hiermit zur … äh… Weltparkpolizei und legitimiere mich selbst! Los, macht mit: Bisher habe ich (manchmal sogar gerechtfertigt) schon oft so gehandelt! Übrigens: Wer mitmacht, kriegt vielleicht sogar etwas von dem Schweizerischen Olivenöl im Küchenschrank ab (meins ist fast alle) und außerdem verkaufe ich ab sofort die Wiederaufbaurechte für seine Wohnung!

    Wenn wir bei Markus fertig sind, machen wir dann gleich bei Manuel in Niedersimten weiter! Hups… ne, lieber nicht. Der geht ja schon seit Jahren verantwortungsvoll mit seinen diversen Flinten um. Manuel ist halt NICHT Markus.

  5. Link zu diesem KommentarEric

    8. März 2006, 12:09 Uhr

    @Michael: Ich bitte zu unterscheiden: Markus ist NICHT Markus :)

    @Markus (Mal mit Nr. 17 gekennzeichnet): Die USA untergraben mit ihren militärischen Alleingängen die Einigkeit der Völker aufs allerschärfste. Natürlich ist Indien eine Demokratie und natürlich ist der Ton, den Theran dem Westen gegenüber anschlägt, wesentlich militärischer gefärbt. Trotzdem gibt es innerhalb Indiens Unterdrückung, man denke einfach nur an das – per Gesetz abgeschaffte, aber gesellschaftlich noch vorhandene – Kastensystem.

    PS: USA-kritisch bedeutet nicht(!) Anti-Amerikanisch. Kanada finde ich zum Beispiel toll…

  6. Link zu diesem KommentarMichael

    9. März 2006, 13:08 Uhr

    @Markus(Nr. 17): Sorry, ich dachte, du wärst ‘der andere Markus’. Ersetze einfach ‘Schweizer…’ durch deinen Nachnahmen und ‘Manuel’ durch den Bundeswehrausbilder deines Vertrauens.

    PS: Ich hatte vergessen zu erwähnen, dass wir beim Sturm auf deine Bude lustige Folterbilder von deinen Mitbewohnern machen!

    @’der andere Markus’: Hab mich schon gewundert… So rechts angehaucht kennt man dich gar nicht!

  7. Link zu diesem KommentarOliver

    9. März 2006, 16:18 Uhr

    @ Markus(Nr. 17):
    Mein Kommentar und auch die Kommentare der anderen ist durchaus, wie der Eric schon angemerkt hat nicht anti-amerikanisch. In meinem Kommentar hab’ ich nur gesagt, dass Bush jedem, der ihm nicht passt, den Krieg erklärt. Unter Clinton gab’s nicht halbsoviele Kriege wie unter Bush und die Welt war trotzdem ein ruhiger Ort. Viel ruhiger wenn man die sog. Friedenssicherungaktionen des Herren Bush und seiner Generäle noch mitrechnet.
    Man kann auch mit der Drohung, seine Militärs von der Leine zu lassen seine Ziele durchsetzen. Man nennt das, glaube ich, Diplomatie.

    bis denne

  8. Link zu diesem Kommentarder

    10. März 2006, 12:12 Uhr

    Indien ist eine Demokratie. Der Iran finanziert den Terrorismus überall auf der Welt. Das ist der Unterschied.

  9. Link zu diesem KommentarKai

    14. März 2006, 15:03 Uhr

    Ich habe keine Ahnung von Weltpolitik. oder so. Aber ich vermute mal, dass die US-Regierung im Iran und Indie zwei sehr verschiedene paar Schuhe sehen. (Ich übrigens auch.) In Indien wird keine akute Gefahr gesehen, vielleicht sogar ein wertvoller Bündnispartner auf lange Sicht. Im Iran sicht man Gefahrenpotenzial und die diplomatischen Beziehungen sind auch nicht so toll…