02.03.08 // „Modernes Webdesign“ von Manuela Hoffmann

Manuela Hoffmann ist eine der komplettesten WebdesignerInnen, die ich kenne. Nur wenige kommen an ihre Fähigkeiten Gestaltung und Technik zu verbinden heran. Entsprechend hoch sind dann auch die Erwartungen, wenn sie ein neues Buch veröffentlicht:

Modernes Webdesign: Buch und DVD

„Modernes Webdesign“ ist der Titel genau das steckt auch drin. Das Buch beginnt mit dem ersten Abschnitt „Design“ in dem Manuela nur nebenher auf dieses HTML- und CSS-Zeug eingeht. Sie geht sogar einen Schritt weiter und definiert, was modernes Webdesign ausmacht. Das ist die Leistung des ersten Abschnitts. Er legt die Grundlagen für die moderne Webseitengestaltung.

„Webdesign ist eine inhaltszentrierte Tätigkeit. Am Anfang des Designprozesses steht immer der Inhalt und nicht etwa das Farbschema oder die Idee ein dreispaltiges Layout zu verwenden.“ „Modernes Webdesign“, Seite 18

Manuela zeigt die Vorteile von Semantik und Validierung aber ebenso im „Design“-Abschnitt auf, wie Barrierearmut und Usability. Erst dann widmet sie sich Gestaltung und Layout, klärt die typischen Designfragen: Was ist ein goldener Schnitt, wie funktionieren Symmetrie und Asymmetrie? Schließlich geht sie auf Gestaltungsraster und „klassische Spaltenlayouts“ ein und stellt das Boxmodell vor, bevor sie dann die Positionierung von Elementen via CSS zeigt.

Nach Typografie und Farbenkunde gibt es dann noch einen Ausflug ins Lizenzrecht, wo unter anderem Creative-Commons-Lizenzen vorgestellt werden und gezeigt wird, welche Dateitypen man für Video und Audio verwenden kann und wie man sie in ein HTML-Dokument einbindet.

Die schiere Komplexität des Themas, das sich Manuela selbst auferlegt hat, spiegelt sich in diesem kurzen Ausriss bereits wieder. Manchmal wünscht man sich, dass das eine Thema doch noch ein bisschen detailreicher besprochen wird, doch es ist keine Zeit dafür, das Thema ist einfach zu Umfangreich.

Schön, dass Manuela es trotzdem schafft, uns sehr oft über ihre Schulter schauen zu lassen. So geht es im 6. Kapitel um die Werkzeugkasten eines Webdesigners, inklusive Inspirationsquellen, Tools und Browsererweiterungen bis zum „Workflow für modernes Webdesign“. Für halbprofessionelle Webdesigner lohnen sich diese Abschnitte des Buchs ungemein.

So viel zum Abschnitt „Design für Techniker“, wenden wir uns dem 2. Teil des Buches zu: „Die Technik“.

Anhand von verschiedenen Elementen geht Michaela zuerst auf HTML und dann auf CSS ein. Diese Abschnitte sind auch Anfängern anzuraten, weil sie wichtige grundlegende Dinge beschreiben, die viele Fragen im vornherein klären.

Für Auflage 2 wünsche ich mir in diesem Abschnitt eine klarere Trennung bei der Bezeichnung von Elementen und Tags. „Tags werden immer mit einem Start-Tag, einer sich öffnenden spitzen Klammer (<), begonnen und mit einem End-Tag, einer sich schließenden Klammer mit vorangestelltem Schrägstrich (/>), geschlossen.“ (S. 188) Dieser Satz ist nicht nur falsch, sondern auch verwirrend. Zum Glück befindet sich eine tolle Infografik über dem Text, die noch einmal klar stellt, was eigentlich gemeint ist.

Manuela stellt am Ende des zweiten Teils noch Basisvorlagen zu Verfügung, die man verwenden kann um einen Ausgangspunkt für eigene Projekte zu haben.

Teil 3 besteht aus der Umsetzung eines Beispielprojekts, u.a. in Wordpress. Ausgerechnet. Dieses Kapitel war für mich eine Qual. Nicht, weil es schlecht geschrieben wäre. Sondern, weil Wordpress an sich keinen Sinn macht. Natürlich musste es ein weitverbreitetes CMS sein und mit „Wordpress“ auf dem Titel lassen sich sicherlich noch ein paar Exemplare mehr verkaufen als mit einem anderen.

Sehr interessant sind hingegen die Teile in denen es um den Entwurf in Photoshop geht. Schritt für Schritt wird die Herangehensweise der Autorin an ein Layout gezeigt.

Letztenendes gibt es noch einen kurzen Ausblick auf CSS3 und Javascript.

Fazit

Das Buch ist klasse. Es zeigt auf, dass Webdesign keine eindimensionale, technische Tätigkeit (mehr) ist. Es vermittelt einen Eindruck aus allen Bereichen des modernen Webdesigns. Es ist exzellent gestaltet, die Infografiken und Screenshots machen eine richtig gute Figur im durchgängig farbigem Buch.

Ich würde es Anfängern nicht empfehlen, wohl aber Fortgeschrittenen. Es ist optimal für Menschen, die noch nach ihrer richtigen Strategie beim Bearbeiten von Webseiten für Kunden suchen. Es bietet sehr viele Anregungen und inspiriert auch mal eine andere Sichtweise einzunehmen.

Vielen Dank Manuela für ein tolles Buch.

Hinweis: Manuela Hoffmann und ich sind Mitglieder bei den Webkrauts. Ich erhielt ein kostenloses Rezensionsexemplar.

Kommentare ()

  1. Link zu diesem KommentarMicha

    2. März 2008, 20:10 Uhr

    Zitat: “Sondern, weil Wordpress an sich keinen Sinn macht”
    Wieso macht WordPress keinen Sinn?

  2. Link zu diesem KommentarStefan David

    2. März 2008, 20:24 Uhr

    Scheint ja ein wirklich komplettes Buch zu sein. Deine Rezension macht auf jeden Fall Lust aufs Lesen.

    Leider habe ich selbst noch zwei Rezensionen abzuliefern (»Transcending CSS« und »Little Boxes Teil 2«) und werde daher erst einmal nicht dazu kommen, mir dieses Buch auch vorzunehmen. Gespannt bin ich aber in jedem Fall schon.

  3. Link zu diesem KommentarManuela

    2. März 2008, 20:49 Uhr

    Hallo Eric, vielen Dank für die umfangreiche Rezension! Ich habe sie mit Bauchkribbeln gelesen. Nach so viel Arbeit kann kann man es gar nicht abwarten, zu erfahren, was die Leser denken.

    Danke für das Aufspüren des Fehlers. Der ist natürlich mehr als ärgerlich.

    Ich hatte beim Schreiben sehr oft das Verlangen, ein Thema noch weiter zu vertiefen, aber das »große Ganze« sollte ja auch nicht zu kurz kommen. Deshalb habe ich versucht, dem Leser mit Lese- und Linktipps an vielen Stellen den Weg für eigene Recherchen zu öffnen.

    Zum Thema Wordpress: Es ist halt weit verbreitet, bei Vielen beliebt und auch ganz konkret in meiner Arbeit ständig angefragt. Deshalb fiel die Wahl auch drauf. Ich habe Jens schon mal darauf angesprochen, mit ein paar Webkrauts ein Buch für Profis anzugehen. Da könnte man dann auch tiefergehend Spezielleres behandeln :-).

  4. Link zu diesem KommentarEric Eggert

    2. März 2008, 21:30 Uhr

    Micha: PHP-Code in den Templates ist einfach unmöglich. Ich kann damit nicht umgehen. Deshalb liebe ich Textpattern. Damit zerschießt man sich sich nicht die gesamte Seite, wenn du da einen Fehler machst. Programmlogik und Templates gehören getrennt.

    Manuela: Die Gründe Wordpress zu nehmen kann ich gut nachvollziehen. Aber mein Ding ist es nunmal überhaupt nicht.

    Ich finde das Verhältnis von „großem Ganzen“ und den „Details“ übrigens sehr gelungen.

  5. Link zu diesem KommentarMicha

    2. März 2008, 21:42 Uhr

    Eric: Deine persönliche Meinung geht ja in Ordnung. Aber Wordpress ist nun mal ein sehr beliebtes “Mini-CMS” und gerade deshalb macht es schon Sinn, den Lesern Hilfestellung zu bieten.
    Sicher ist der Code nicht das, was wir unter moderner, objektorientierter Programmierung verstehen, aber damit müssen wir leben. Mir macht es großen Spass, Tipps und Hilfen zu geben, wie man mit Wp umgeht und mehr draus machen kann. Würde ich über Textpattern schreiben, hätte ich sicher nur ein 10% der jetzigen Leser.

  6. Link zu diesem KommentarEric Eggert

    2. März 2008, 22:01 Uhr

    Also wenn es dir um Quote geht, dann kannst du gerne auch über Reddot oder Typo3 schreiben, die sind auch sehr gut verbreitet. Ich schreibe über das, was mir Spaß macht und mir gefällt. Und das ist nunmal Wordpress nicht.

  7. Link zu diesem KommentarMicha

    2. März 2008, 22:57 Uhr

    Nein, ich schreibe, weils mir Spass macht. Aber wir entfernen uns vom eigentlichen Thema, was nicht meine Absicht war.
    @Manuela: Wenn Du wirklich ein Wp Buch planst, können wir ja gerne mal reden.

  8. Link zu diesem Kommentarsoophie

    2. März 2008, 22:58 Uhr

    gehts hier ums Buch oder um die Wahl des CMS? Ich finde die Rezension klingt gut, fürchte aber, dass der Preis zu hoch ist, für das was ich noch lernen kann. Aber als Mediengestalterin, würde ich das vielen meiner Kollegen empfehlen