Auch bei der zweiten weltweiten Pisa-Schulstudie landet Deutschland im Vergleich von 31 Industriestaaten nur [auf dem] 17. Rang[, i]n der Disziplin Lesen und Textverständnis [...] jedoch nur auf Platz 20.
Zugleich belegt die [...]Studie [...], dass in keinem anderen [...] Industriestaat der Welt der Schulerfolg so abhängig vom Familieneinkommen und der Vorbildung der Eltern wie in Deutschland ist. Fazit [...]: Das deutsche Schulsystem versagt bei der Förderung von Kindern aus Arbeiter- und Migrantenfamilien. Erneut erschreckend hoch ist auch der Anteil so genannter Risikoschüler. Fast jeder vierte 15-Jährige in Deutschland kann selbst einfachste Texte nicht verstehen und nur auf Grundschulniveau rechnen. Quelle: Tagesschau Online
Und ich wette ja, dass die SchülerInnen wieder die Suppe auslöffeln müssen, die vom System eingebrockt wird.
(Ich möchte aber bei der Gelegenheit anmerken, dass ab Dienstag wieder unsere Sozialkunde-Lehrerin zur Verfügung steht.)
Kommentare ()
Michael
22. November 2004, 00:04 UhrWas sagt mir das jetzt, dass Deutschland auf Platz 17 ist? Hat das irgendwelche Auswirkungen?
Markus
22. November 2004, 09:11 UhrDie Schüler werden von den Lehrern noch mehr damit aufgezogen, obwohl es auch (für mich) bei den Lehrern einiges zu verbessern ist.
Almuth
23. November 2004, 11:02 UhrIch denke, dass wir endlich mal das Bildungssystem gründlich geändert werden muss. Was nützen Pisa-Studien, wenn es keine Änderung für alle zur Folge hat. Diskutiert wurde lange genug, schon seit dreißig Jahren, dass kann nicht sein. Auch Ganztagsschulen lösen das Problem nicht, wenn Lehrer weiterhin schlechte Srudienbedingungen haben und Unterrichtsmaterialien fehlen.
Als neues Problem sehe ich die Studiengebühren, die auch für das Erststudium geplant sind. Hier wird noch mehr als bisher selektiert und der Geldbeutel der Eltern wichtig.
Michael
23. November 2004, 12:39 Uhr@Almuth: Wo liegt denn das Problem? Ich verstehe nicht, was so schlimm daran ist, wenn Deutschland in der Pisa-Studie auf Platz 17 landet.
Eric
23. November 2004, 14:29 Uhr@Michael: 17 von 31 Staaten, das ist miserabel. Anspruch und Wirklichkeit klaffen da weit auseinander. Vor allem das mangelnde Textverständnis ist meiner Meinung nach ein Offenbarungseid.Als Gegensteuerung ist ja jetzt BMA geplant, das heißt Lehrer kann nur noch werden wer (soweit ich weiß) in beiden Fächern Batchlor und im Anschluss Master macht. Ob das irgendwas hilft, ich bin skeptisch.
Johannes
23. November 2004, 18:28 UhrAlso die ganze Geschichte mit Bachelor und Master überzeugt mich ja nicht wo wirklich.
Und die Studiengebühren werden wohl nach meiner Meinung nicht kommen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen dass die damit durchkommen.
Markus
23. November 2004, 19:20 UhrBMA? Das hab ich so erklärt bekommen (an der Uni, wo sie mehr Ahnung haben als im BIZ), dass man z.B. Bachelor in Informatik machen kann, und Master zum Beispiel in Mathe. Master gewährleistet also den ach so beliebten »Blick über den Tellerrand«. Wie das mit Lehrern im allgemeinen ist, weiß ich nicht.
Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich einer der letzten »Diplom-Informatik-Studenten« sein darf, denn ab dem nächsten Semester, also SS 2005 wird auch hier in KL in Informatik BMA eingeführt.
Eigentlich schade, denn dann gibts keine Richtungen mehr wie etwa »Angewandte Informatik«, »Kerninformatik« oder »Technoinformatik«. Einfach nur noch schlicht Informatik.
Die Pisastudie an sich zeigt, was an den Schule los ist. Das allgemeine Bildungsniveau von der BRD spiegelt es ja wohl kaum wieder. Ich bin mir sicher, dass wir hier in Deutschland auch gescheite Menschen haben. Nur werden die Schüler zur Zeit weniger darauf getrimmt. Jeder will halt Abi machen, denn ohne Abi geht fast nichts mehr.
Michael
23. November 2004, 19:47 Uhr@Eric: Naja, ob das miserabel ist, darüber kann man sich streiten. Klar, gehts besser, aber warum denn unbedingt. Jeder reitet darauf rum. Was für Auswirkungen soll das denn bitteschön haben?
Johannes
23. November 2004, 19:57 UhrGenau das ist das Problem, oder zumindest ein großes. Da hat der Markus völlig recht. Das Abitur erlebt eine Inflation ähnlich der Reichsmark, da müsste man mal gegensteuern, aber das ist ein so kompliziertes System, das keiner den Anfang macht.
-Die Eltern wollen alle, dass ihre Sprösslinge Abi machen.
-Betriebe verlangen Abi, wo man vor 5 Jahren oder so niemals Abi gebraucht hat.
-Damit auch ja alle Abi machen können, wird das Niveau gesenkt.
Alldas hängt irgendwie zusammen und keiner wagt sich raus aus dem Kreis…
Es geht ja auch noch weiter, beispielsweise der gute alte Bankkaufmann…sowas kann man ja fast nur mit Abi/Fachabi machen, wenn ich mich nicht irre. Die Leute haben dann Abi, absolvieren in ihrer Ausbildung meist ein FH-Studium und machen später eine Tätigkeit, für die sie überqualifiziert sind. Sie sind dementsprechend unterbezahlt, unterfordert und dadurch unglücklich. Und schon Marx wusste, dass das nicht gut sein kann.
Tut mir leid dass es ein wenig vom Kernthema abschweift.
Zur Lehrerausblidung, ich finde nicht, dass die Lehrerausbildung so schlecht ist, wie sie immer gemacht wird, ein großes Problem ist auch die Nullbock-Haltung unserer und vermutlich folgender Generationen. Und natürlich sind an allem die Lehrer Schuld, klar, wer sonst? Doch nicht die Eltern, die erwarten dass die Lehrer die Erziehung übernehmen, nein, die doch nicht. Der Lehrer hat dafür zu sorgen dass das Kind was lernt, wenn das Kind es nicht tut kann ja nur der Lehrer Schuld sein.
Könnte noch lange so weiterschreiben, aber ich ich hoffe man hat einigermaßen verstanden, wie ich es meine.
Schönen Tag noch!
Eric
23. November 2004, 20:41 UhrAlso wenn das mit BMA nächstes Jahr schon ist, dann scheiß’ ich auf’s Lehramt, mach meinen Master Informatik und geh’ in die Wirtschaft, da hab ich mehr davon – ich mein, wenn ich sowieso Master machen muss…
@Johannes: »Abitur erlebt eine Inflation ähnlich der Reichsmark« – Ein schöner Vergleich!
Johannes
23. November 2004, 21:07 UhrErnst oder Ironie?
Markus
23. November 2004, 21:40 Uhr@Eric: Also ich weiß nicht, ob Lehramt auch durch BMA erstetzt wird, auf jeden Fall wird es an der TU Kaiserslautern ab nächstem Semster keine Diplomstudiengänge in Informatik geben wird. An anderen Uni’s kann es das durchaus noch geben, nur hier ist dann mit Diplom Schluss.
Michael
24. November 2004, 16:38 UhrZum Thema: Warum müssen wir denn weiter vorne liegen als Platz 17? Warum müssen wir unter den ersten sein? »An dem deutschen Wesen soll die Welt genesen oder was?« Es ist ja nicht so, dass wir uns auf diese Position verschlechtert haben. Wir stehen schon lange auf diesem Platz, bloß gabs eben kein Pisa und kein Schwein hat sich dafür interessiert.
Und natürlich sind die Lehrer NICHT schuld. Wie kann eine Berufssparte für ein Gesellschaftsproblem schuld sein?
Das Problem ist eben, dass viele PISA nicht als das sehen, was sie ist: Eine Vergleichsstudie, die vergleicht (wie der Name schon sagt) und nicht kritisiert. Was hier in Deutschland daraus gemacht wird ist der Blödsinn. Ich meine, die Schweiz macht doch auch keinen solchen Aufstand. Und die liegt ebenfalls in unserem Bereich…
Eric
24. November 2004, 17:17 Uhr@Michael: Das Problem sind weder Lehrer, Schüler oder Eltern. Es sind alle 3 Faktoren, die zusammenwirken. Das Problem ist ja nicht, dass wir nur durchschnittliche Bewertungen haben, sondern, dass es so unausgeglichen ist. Deutsche Schüler können zwar ordentlich rechnen aber wenn es um anspruchsvolleres geht versagen sie. Heute würde man sowas wohl Schlüsselqualifikationen nennen.
@Markus: Soweit ich weiß spätestens ab Wintersemester 2006.
@Johannes: Ernst.
Michael
24. November 2004, 20:04 Uhr@Eric: Endlich geht mal jemand (teilweise) auf mich ein. Deutsche Schüler schneiden also bei der »Schlüsselqualifikation« Textverständnis schlecht ab. Die Frage ist nur: Lag das an den Schülern oder am Text?
Eric
24. November 2004, 20:54 Uhr@Michael: Viele Schüler, ein zu großer Anteil haben Probleme damit. Einen Text zu verstehen ist schon wichtig. Ich habe den Text von der letzten Studie geesen und fand ihn nicht sonderlich schwer, auch wenn ich jetzt nicht zu den unintelligentesten gehöre. Mit ein wenig Allgemeinbildung und Spucke war er zu verstehen. Wirklich!
Michael
25. November 2004, 09:08 UhrAber du bist kein 14 oder 15-jähriger. Kann ja sein, dass mittlerweile 21-jährige und irgendwelche Studien-Ersteller den gut verstehen. Aber das ist subjektiv.
Eric
25. November 2004, 15:44 Uhr@Michael: Vor drei Jahren war ich grad 18. Und er ist auf 15-jährige zugeschnitten, sonst macht so ein Text ja keinen Sinn…
Michael
25. November 2004, 18:01 UhrVielleicht gings in dem Text um Flechten und Rentierköttel… lol
Markus
25. November 2004, 19:47 UhrWie kommst den darauf?
Eric
25. November 2004, 21:31 Uhr@Michael: Und trotzdem hätte man auch den Text verstehen können, oder wie machst du das an der UNI? Nur bekannte Texte lesen?
Michael
26. November 2004, 09:00 Uhr@Eric: Ne, wir haben aber auch länger Zeit um über schwierige Texte zu brüten. Bei den meisten ne ganze Woche, manchmal ein halbes Jahr und selten bis zur Zwischenprüfung. So leids mir tut, ich halt nix von Pisa. Ich weiß nicht für was das gut sein soll. Mit Wirtschaft (ein Argument, das häufig genannt wird) hat das nix zu tun, andere wirtschaftlich sehr starke Länder stehen ganz unten. Den Trend zeigts auch nicht an, die Situation ist schon lange so, es ist nix neues. Man hätte genausogut die Haare männlicher Einwohner zählen können. Und dann wären die Friseure die Schuldigen.
@Markus: Die Skandinavier haben den Text anscheinend verstanden…