Auf meiner Dienststelle finden sich immer mehr Leute, die sich als Nichtwähler “outen”.
Ich selbst kann diese Einstellung nicht verstehen, vielleicht auch dadurch, dass bei uns jede Wahl wie ein Feiertag gehandhabt wird. Es wird ausgeschlafen, gut gegessen, sich schick angezogen und dann gewählt. Dadurch wurde die Wahl für mich etwas besonderes, etwas Wertvolles.
Mir ist klar, dass meine Stimme Deutschland nicht verändert. Aber ich weiß auch, dass diese Stimmen, die ich am Sonntag abgeben werde, meine direkte und unbeeinflusste Chance sind meine Meinung auszudrücken. Zwischen mir und der Regierung stehen zwei Kreuze. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Die Wahl ist die Grundlage der Demokratie, die Grundlage unseres Staates. Wahl ist ein Synonym für Freiheit und Selbstbestimmung, gegen die Unterdrückung. Erinnern wir uns daran, dass es vielen Mitgliedern unseres Landes bis zur Wende es nicht vergönnt war frei, gleich und geheim zu wählen.
Es ist schade genug, dass viele sich ihrer Möglichkeit zur Mitbestimmung nicht bewusst sind.
Kommentare ()
Markus
15. September 2005, 21:43 UhrAuch ich habe mir überlegt, was wohl meine Stimme ändern könnte. Als Nichtwähler kann man argumentieren, dass eine Stimme unter Millionen wohl nicht viel ausmacht.
Aber was ist, wenn viele so denken und nicht zur Wahl gehen? Genau, dann sind das schon sehr viele Stimmen, die verloren gehen. Diese können aber etwas veränden.
Deshalb sollten alle zur Wahl gehen. Denn die Stimme von jedem einzelnen unterstütz die anderen (Stimmen) und kann somit doch was verändern.
Gerrit
16. September 2005, 07:53 UhrUnd wenn es nur darum geht, nicht die NPD zu wählen. Jede Stimme für eine der großen Parteien hilft, damit die Extremisten keine Chance haben.
Robert Wetzlmayr
18. September 2005, 13:09 UhrWichtig ist meines Erachtens weniger, ob genau Deine Stimme einen Unterschied machen wird, als vielmehr die psychische Hygiene, die man mit einer Stimmabgabe für sich selbst erreicht:
* Wer wählt, hat ein Recht auf Stellungnahme. Auch nach der Wahl.
* Die Nichtwähler sind Verschubmasse der Politik. Jeder Politiker kann den Anspruch erheben, dass die “schweigende Masse” seinen Ideen zustimmt. Das Gegenteil ist unbeweisbar, es hat sich ja kein Nichtwähler geäussert.
* Du hast nur zwei Möglichkeit, an der Demokratie teilzunehmen: Wählen oder kandidieren. Diese Möglichkeit würde ich nie ungenutzt lassen.
Aussserdem ging’s doch zB bei der letzten Wahl in den USA wirklich um einige 1000 Stimmen, die den Unterschied machten. Also kann es sein, dass Deine Stimme wirklich zählt.
Kai
21. September 2005, 12:19 UhrIch sage es nur ungern, aber Sonntag IST ein Feiertag.
Ich habe auch nicht gewählt. Nicht aus Prinzip – auch wenn ein Muster erkennbar ist – sondern weil es sich so ergeben hat. Auch wenn man durch das Stimmen etwas ändern kann, heißt das nicht, das auch etwas geändert wird. Und dass die deutsche Politik ein Container ist – Achtung Metapher! – , sollte bekannt sein.