15.02.08 // Vorwärts in die Vergangenheit: Netzeitung-Relaunch

Die Netzeitung wurde neu gestaltet. An der Oberfläche wurde das Design klarer und freundlicher (grün funktioniert immer!), doch nicht wirklich aufregender. Die blauen Überschriften wirken langweilig und können nicht so überzeugen. Auch die Seitenleiste wirkt durch viele Boxen unruhig.

Was weiterhin auffällt ist die schlechte technische Qualität der Seite. Tabellenlayout so weit das Auge reicht: Die Agentur Exozet kann anders, wie man u.a. an ihrer Webseite sieht, schade, dass sie das weder beim Relaunch von N24 noch bei dem Redesign der Netzeitung anwenden konnten.

„Das alles ist natürlich nur ein kleiner Schritt. Ein größerer soll folgen.“ Domenika Ahlrichs, Chefredakteurin

Die Seite hat ganz offensichtliche Schwächen in der Konzeption, schon eine Vergrößerung der Schrift um 2 Stufen sorgt für eine Überlagerung von Elementen, was nicht sehr schön ist.

Screenshot der Netzeitung (Ausschnitt)

Auch die grundlegenden Accessibility-Features sind nicht vorhanden: Sprunglinks, die ein Navigieren durch die Tabellenhölle erlauben würden sind genauso wenig vorhanden wie sinnvolle Alternativtexte bei Bildern. Bei Formularelementen (Abstimmungen) gibt es keine Labels, die bei der Erfassung der Formulare helfen. Alles in allem eine sehr schwache Leistung.

Semantik ist – natürlich – exorbitant überhaupt nicht eingesetzt. H1-Überschriften sind wohl der Suchmaschinenoptimierung geschuldet. Absätze sind mal in P-Elemente gepackt, mal nur mit zwei BR-Elementen abgetrennt. Immerhin sind die Listen Listen.

Dass die Kommentare nur per JavaScript/AJAX zu begutachten sind ist ein weiteres Manko an der Seite, die es so nur noch ein Stück schwerer macht an die Inhalte zu kommen. Was ich sowieso noch nie verstanden habe ist, weshalb große Bilder nur durch einen Klick auf die Lupe geöffnet werden – und nicht, wenn man das Miniaturbild anklickt. (Dass das große Bild dann in einem JS-Popup aufgerufen wird ist selbstverständlich.)

Liebe Frau Ahlrichs: Ein größerer Schritt muss kommen. Diese Poliererei an der Oberfläche bringt doch niemandem weiter. Wenn die Netzeitung erfolgreich sein und bleiben will, dann muss sie auch in das Gesamtgefüge „Web 2008“ passen. Momentan passt sie besser in das „Web 1999“.

Kommentare ()

  1. Link zu diesem KommentarWebstandard-Team

    15. Februar 2008, 13:57 Uhr

    Irgendwie fehlen einem hierfür fast die Worte. Warum auch Fortschritt, wenn man drei oder doch eher vier Schritte zurückgehen kann. Der Quellcode birgt so manche Perle aus den 90ern, ist schon fast wieder unterhaltsam…

  2. Link zu diesem KommentarAlexander Hahn

    15. Februar 2008, 15:01 Uhr

    Mir fällt vor allem das mäßige Redesign ins Auge, Margin an der Linken Seite kann nützlich sein, 10px Rand zum Browserrand sind nicht das was ich unter Whitespace verstehe.

    Ein durchdachtes Grid wäre auch schön gewesen, aus der Startseite fällt es schon schwer vor lauter Boxen in eine Lesefluß zu kommen. Und wie ist der Footer gesetzt? Zentriert, also ich finde Gedichte mögen so gesetzt sein, aber doch nicht solch eine Fülle an Informationen. – Eigentlich wollte ich schon auf senden klicken, da ist mir der »Mobil-Bereich« aufgefallen: http://www.netzeitung.de/service/nzmobil/ , dort wird stolz auf ein Printstylesheet hingewiesen, freudig hackte ich Apfel-P in mein Keyboard und wurde herbe enttäuscht, fast gleichzeitig fiel mir nämlich auf, dass es Druckstylesheets nur gegen Bezahlung gibt!?? Aha, ihr habt es verstanden die Leute zu begeistern, danke.

    Feinste Grüße! (-;

  3. Link zu diesem KommentarGerald - hyperkontext

    15. Februar 2008, 15:07 Uhr

    Abgesehen von all den Accessibility und Standard-Geschichten, die alleine schon beschämend sind:

    Mittlerweile surfe ich Medienseiten – allein zum Stoppen des unglaublichen Download-Volumens von Datenmüll – prinzipiell nur mehr mit ausgeschaltetem Java-Script (bzw. wirkunsvollen Bannerblockern) an.

    Aktuelles Beispiel Netzeitung Startseite:
    Ohne Java-Script: 357kb
    Mit Java-Script: 1,8 MB (fast nur Werbemüll)

    Vor paar Monaten auf Tagesschau.de getestet:
    Ohne Java-Script: 600KB (auch schon ne ganz schöne Menge)
    Mit Java-Script: 9 MB!!! (in Worten NEUN MEGABYTE) – war irgendeine Super-Werbekampagne, die via JS und als Flash-Filmchen lief und noch aus den Boxen dröhnte.

    Es ist ganz einfach ätzend.
    Wir steuern mit Multiplikationsfaktor 99 auf das Jahr 99 zurück.

    Das hat auch absolut nix mehr mit einer Informationsseite zu tun, wenn dir überall nur mehr irgendwas entgegenblitzt, aus dem Lautsprecher dröhnt und dir die Sicht auf die Info verstellt.
    Es ist einfach nur mehr große Sch…..

  4. Link zu diesem KommentarMaximilian Böhm

    26. Februar 2008, 01:45 Uhr

    Hallo zusammen,
    zum Relaunch von Netzeitung wird man nichts mehr sagen müssen; ich bin auf Spiegel.de umgestiegen. Auch noch nicht ganz optimal, wäre für eine Umfrage interessant…

    Bei dem Link zu n24 hat sich ein Fehler eingeschlichen, der Verweis geht lediglich auf “htp://” los!

    Gruß Max

  5. Link zu diesem KommentarBoris

    26. Februar 2008, 14:11 Uhr

    “Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.”

    Nö, muss ich gar nicht.

    Ich muss lediglich den kleinen X-Button rechts oben in der Titelleiste mit der Maus anklicken, um mich von dieser unsäglichen Infohäppchen-Halde in völlig einfallslosem Design und Quelltext-Murks zu befreien.

    Weiohwei!