Doch “Am Tag als Bobby Ewing starb” beweist etwas anderes viel deutlicher und eindrucksvoller. In den 80ern hatten viel mehr Menschen klare Ideale, und es war auch wesentlich einfacher, diese zu vertreten. Helmut Kohl, die Atommafia, die Polizei – alle hingen irgendwie zusammen und bildeten ein klares Feindbild.

Der Gegner, gegen den es sich zur Verteidigung der Ideale zu richten galt, war somit deutlich auszumachen – umgekehrt natürlich genauso. Den Menschen im Westdeutschland der 80er ging es zudem auch wirtschaftlich ausgesprochen gut. Sorgen machte nicht die nackte Existenz, sondern die Volkszählung, das Waldsterben, die Atompolitik, Kriege und Hunger in fernen Ländern.

“Am Tag als Bobby Ewing starb” macht die Sehnsucht nach all dem deutlich wie kein Film zuvor. Sich in der heutigen Zeit Ideale zu leisten kollidiert mehr denn je mit wirtschaftlichen Existenzfragen, und auch ein klares Feindbild ist nicht auszumachen.

Die kapitalistische Gesellschaftsform in ihrem aktuellen Zustand krankt an so vielen Ecken und Enden, daß die Menschen nicht nur ständig damit beschäftigt sind, Löcher zu kitten, sondern überdies auch überhaupt nicht mehr wissen, gegen wen sich ihr Groll überhaupt richten soll. Da paßt es, daß nun auch das Ende der 68er Generation und ihres immer mehr zur Symptompolitik verkommenen Ausverkaufs der Ideale dräut. Depression ist angesagt.

In Lars Jessens Film liegt all das unter der von ulkiger Ausstattung und nostalgischem Witz geprägten Oberfläche, womit “Am Tag als Bobby Ewing starb” eigentlich mehr über das Heute erzählt als über das Gestern. Schnitt.de

Veröffentlicht in Film