Immer wieder steht Barrierefreiheit im Mittelpunkt von Diskussionen im Internet. Über notwendige und hinreichende Kriterien wird da gekämpft und jeder Schritt in die richtige Richtung klein geredet.

Dabei geht es nicht um Richtlinien und Verordnungen, sondern um die Menschen, die das Webangebot nutzen. Zu häufig wird technikzentriert diskutiert. Wir müssen weg von der Technik kommen, hin zu einem Fokus auf den Menschen.

Als wichtigste Dokumente eines Webdesigners sollten die WAI-WCAG1 und WAI-WCAG2 sein. Es sind Richtlinien für die Gestaltung barrierefreier Webangebote. Sie liefern uns Anhaltspunkte, die wir beachten müssen, wenn wir Webseiten erstellen die den besten Ausgangspunkt für alle bieten.

„Mittlerweile ist es leider so, dass die größte Hürde auf dem Weg zu einem zugänglicheren Web Mythen sind, die auf veralteten Annahmen oder, schlimmer noch, auf Hörensagen beruhen.“ Tomas Caspers, A-Tag 2007

Dazu gehört auch die Kontrolle auf genügend Kontrast, auf Farbfehlsichtigkeiten und auf die Möglichkeit alle Links mit der Tastatur zu erreichen und das auch erkennen zu können. Es sind Leitlinien, die es Webdesignern so einfach wie möglich machen barrierefreie Seiten oder zumindest barrierearme Seiten zu erstellen. Es sind aber keine festgeschriebene Regeln, sondern lediglich eine Basisfestlegung.

Das Internet arbeitet weiter. 1999, als die Version 1 der WCAG heraus kam, war es unmöglich auch nur anzunehmen, dass JavaScript oder Flash einmal barrierefrei sein könnte. Richtig angewendet macht JavaScript jedoch YouTube-Videos barriereärmer und Flash-Seiten gewinnen den BIENE-Wettbewerb in Gold. Es wäre fahrlässig diese Technologien als nicht barrierefrei abzukanzeln, wenn man sie richtig einsetzt sind sie es.

Ein weiteres Argument, dass man oft hört: Ein nicht-valides HTML-Dokument kann nicht barrierefrei sein. Das ist Mumpitz. Zwar ist ein valides Dokument die Optimalform, Fehler stellen aber i.d.R. kein Hindernis für assistive Technologien dar. Das selbe gilt für die Ausgabe von WYSIWYG-Editoren. Das was da heraus kommt ist meistens nicht barrierefrei aber lesbar. Deshalb ist es auch nicht entscheidend ob mal eine Überschrift der falschen Ordnung dazwischen rutscht.

Auch Webseiten, die nicht barrierefrei sind können – nach einer Einarbeitungszeit – benutzt werden. Meist mehr schlecht als recht aber immerhin. Aber nur weil sich diese Benutzer irgendwie „durchwurschteln“ heißt das nicht, dass wir unsere Pflicht vernachlässigen dürfen und keine Basis schaffen müssen.

Im Gegenteil: Es stehen neue Herausforderungen an, die bewältigt werden müssen. Wie gehen wir mit der Flut an Audio und Video um, die für eine ganze Bevölkerungsgruppe verschlossen bleiben und wie bringen wir möglichst viele Internetangebote quasi grundsätzlich von Haus aus barrierefrei ins Netz?

Die Antwort ist einfach und schwierig zugleich: Über neue Tools. Die alten CMSe reichen nicht mehr, sie unterstützen den Redakteur/die Redakteurin nicht genug. Doch man sollte nicht über die CMSe den Stab brechen, sie haben schließlich auch zu einer ganz neuen Qualität an Barrierefreiheit und -armut im Netz geführt. So haben die allermeisten WordPress-Themes eingebaute Merkmale der Barrierefreiheit wie Sprunglinks. Gerade Blogs sind i.d.R. sehr gut auch mit assistiven Technologien bedienbar.

Letztlich gilt der Spruch vom Wetter: Nicht das Wetter ist schlecht, sondern die Kleidung die du trägst.

Entsprechend gilt für barrierefreie Webseiten: Man muss auch die optimalen Werkzeuge einsetzen um optimale Ergebnisse zu erhalten. (Und ja: Manchmal gibt es diese Werkzeuge noch nicht. Dann muss man erfinderisch sein.)

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