Und wieder ist ein Jahr in meinem Leben vorrüber und wie ich letztes Jahr schon schrieb: Ich frage mich [an Geburtstagen] immer was ich in diesem Jahr erreicht habe, wo ich hin will, wie ich mich persönlich weiterentwickelt habe.

Und auch dieses Jahr fällt mein Resümee positiv aus. Neben meinem Abi habe ich doch eine gute Zivistelle gefunden und bin im moment eigentlich ziemlich glücklich – und dafür bin ich sehr dankbar.

Neben Redesigns und einer wesentlich geringeren Frequentierung hatben letztes Jahr auch einige Kontroversen diese Webseite erfasst. Das ist gut, fördert die Meinungsvielfalt.

Aber ich muss auch sagen, dass ich einige Projekte einstampfen muss. Sowohl das Forum als auch das Wiki werde ich einstellen, die Zeit und der Zuspruch für diese Projekte war dann doch eher mager. Auch Klingeltonhilfe.de (Link entfernt) werde ich nicht mehr weiterführen, die Domain – die ich eigentlich ziemlich gut finde – wird verkauft. Auch hier ist “Bruder Zeitmangel” Hauptursache.

Stattdessen wird 2006 eine Neuorientierung stattfinden, nicht zuletzt, weil ich mit meinem Informatikstudium beginnen werde. Vorher wird aber meine Webkraut -Aktivität ausgebaut: zuerst mit dem Webstandards-Adventskalender 2005.

Ach ja, eines hätte ich beinahe noch vergessen: Seit vorgestern haben wir eine Kanzlerin. Viele wissen, das das nicht meine Wunschkonstellation ist – vor allem Ex-Außenminister Fischer hätte ich gern weiter in seinem Amt gesehen. Aber man kann ja nicht alles haben. Der Stern hat schon mal einen Blick auf die Zukunft geworfen und prophezeit Angela Merkel eine Amtszeit bis 2022. Mal sehen.

Über ein Drittel der Zivizeit habe ich nun schon hinter mir. Das ging schneller als erhofft.

Im Großen und Ganzen habe ich gute Erfahrungen gemacht, die Tage sind meist arbeitsreich. Die Arbeitszeiten kommen mir nicht wirklich entgegen, sieben Uhr morgens ist dann doch ein sehr früher Arbeitsbeginn. Dafür bin ich aber schon um 16 Uhr zu hause.

Schön ist auch, dass wir ein relativ großes Zivi-Team sind: Neben zwei Lager- und drei Cafeteria-Zivis gibt es einen Verleih-Zivi. Den letzteren Job werde ich ab Januar übernehmen. Ab Januar fehlen uns allerdings vier Zivis, ein Lager-Zivi verlässt uns Ende des Monats, zwei Cafeteria-Zivis und der besagte Verleih-Zivi beenden ihren Dienst am 31.12. Bedarf an Nachwuchs besteht!

Ansonsten werde ich ab Montag die Zivildienstschule in Trier besuchen. Themen sollen “Erfahrungs- und Handlungsfelder der politischen Bildung, 1. Zivildienst, 2. Demokratie und Gesellschaft” sein. Der Lehrgang dauert eine Woche.

So, das nur mal um euch einen kleinen Einblick zu geben. Die haben dort auch einen “Internetraum”, mal schauen, ob ich da mit dem Notebook ran kann, wär ja schon praktisch. Dann gibts auch nächste Woche wieder ein paar Updates.

Seit fast einem Monat debattieren die Anwärter für eine “Große Koalition” nun schon und mittlerweile scheint es konkrete Ergebnisse zu geben.

Natürlich ist solch eine demokratische Regierungsfindung sehr kompliziert und jede Partei ist verpflichtet Kompromisse zu schließen. Deshalb mag ich es auch nicht, wenn Leute von Wahl-Lügen erzählen, manchmal ist es halt nicht möglich seinen eigenen Kurs durchzusetzen.

Haushalt/Finanzen

  • Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16% auf 19%

Meiner Meinung nach ein falsches Signal: Durch die Anhebung der Verbraucherpreise – und dazu wird es führen – wird der Konsum wohl weiter einen Dämpfer erhalten.

Auch die Auswirkungen auf die Ölpreise sollten nicht unterschätzt werden. Weiterhin sind die Auswirkungen auf den ermäßigten Steuersatz (7%) noch nicht bekannt, hier sind Erhöhungen (um einen oder zwei Prozent) möglich.

Lohnnebenkosten

  • Die Arbeitslosenversicherung soll aus Mitteln der Bundesagentur für Arbeit um 1% gesenkt werden. Eine Senkung um einen weiteren Prozentpunkt aus Mitteln der erhöhten Mehrwertsteuer ist möglich, aber noch nicht beschlossen.

Diese Erleichterung fällt zu gering aus: Im Geldbeutel der Arbeitnehmer bleiben 0,5 bzw. 1% “Lohnerhöhung” übrig.

Föderalismus

  • Anteil der im Bundesrat zustimmungspflichtige Gesetze: von 60% auf 35-40%.
  • Länder sind für die Bildungspolitik zuständig
  • Kompetenz im Umweltsektor liegt beim Bund
  • Beamtenbesoldung Ländersache
  • Länder bekommen erweiterte Rechte im BKA bezüglich des “internationalen Terrorismus”
  • Größere Finanzautonomie, Möglichkeit für Bundesländer eigene Steuern zu erheben

Eigentlich alles ordentliche Konzepte, die ja alle bereits in der Föderalismuskomission unter Müntefering/Stoiber erarbeitet wurden.

Rente

  • Anhebung des Eintrittsalters auf 67 Jahre ab 2030 oder 45 Beitragsjahre
  • Rentenkürzungen ausgeschlossen

Eine kleine Rentenkürzung könnte – gerade bei der “Überalterung” der Gesellschaft (ein hässlicher Ausdruck, ich weiß) – sich positiv auf den Haushalt auswirken. Eine Anhebung des Eintrittsalters ist wohl unausweichlich.

Arbeitsmarkt/Hartz IV

  • Probezeit wird von 6 auf 24 Monate verlängert
  • Befristete Verträge auf zwei Jahre sind nicht mehr möglich
  • Vier Milliarden Einsparung bei Hartz IV durch Korrekturen beim Anspruch von Jugendlichen auf eine Wohnung und ehe-ähnlichen Verhältnissen
  • Überbrückungsgeld und Ich-AG werden zusammengelegt
  • Bezieher von Arbeitslosengeld II sollen vermehrt in der Landwirtschaft eingesetzt werden

Über die Probezeit kann man geteilter Meinung sein, ob es zu einer Flexibilität im Arbeitsmarkt führt bleibt abzuwarten. Auch die Einsparungen bei Hartz IV bezweifle ich.

Ein Einsatz von Arbeitslosen in der Landwirtschaft ist schon etliche Male gescheitert, für 5,10 Euro/Stunde möchte doch niemand (hart) arbeiten.

Gesundheit

  • Die Gesundheitsreform wurde faktisch aus dem Koalitionsvertrag ausgeklammert
  • Arzneimittelpreise werden auf zwei Jahre eingefroren
  • Apothekerhonorare werden gesenkt

Eines der wichtigsten Themen – gerade im Wahlkampf – wird erst gar nicht angeschnitten. Dabei ist das zu wichtig.

Bildung/Forschung

  • Bis 2010 3% des BIP für Forschung
  • Bafög wird beibehalten

Gerade die Beibehaltung des Bafög finde ich wichtig und ist eine gute Entscheidung, Bildung muss für jeden bezahlbar sein. Und da finde ich es schade, dass die Förderung für Kinder von Geringverdienern nicht erhöht wird und dass das dreigliedrige Schulsysteme nicht diskuttiert wird. Außerdem fehlt ein klares Bekenntnis zur Förderung lernschwacher Schüler.

Verkehr

  • Keine PKW-Maut auf Autobahnen
  • Ausbau von Bahnstrecken

Ich finde den Verzicht auf die PKW-Maut schade, durch eine Vignette (Beispiel: Österreich) könnte der Haushalt ein gutes Fundament erhalten. Bahntickets sollten ermäßigt besteuert werden, damit Bahnfahren attraktiver wird. Das gilt auch für den ÖPNV.

Zusammenfassung

Ein Wachstum und auch ein Abbau der Verschuldung scheint mir durch diese Maßnahmen nicht garantiert. Wie ein internes Koalitionspapier zeigt (PDF) werden zwar die Einnahmen steigen (Seite 2), die Ausgaben sinken aber in keinster Weise.

Da die Konsolidierung des Haushaltes (also: der Abbau der Schulden) eine der wichtigste Herausforderung der nächsten 10 Jahre ist muss gehandelt werden.

Dazu gibt es nur folgende Möglichkeiten: Verlängerung der Wochenarbeitszeit von 37,5 Stunden/Woche auf 40 oder 42 Stunden. Konsequente Verpflichtung zur Arbeit (Dänemark-Modell): Wer Arbeitsplätze ausschlägt bekommt Leistungskürzungen, spätestens nach einem Jahr gibt es ein verbindliches Jobangebot von der Arbeitsvermittlung. Zudem gibt es Jobtraings – Subventionierte Jobs.

Auch der Bürokratieabbau wurde nicht endgültig besprochen, und da ist der Weg noch weit, gerade um die Ausgaben zu senken. Dazu gehört auch die Abschaffung der Abgeordnetenpensionen.

Insgesamt wurde mir zu wenig radikal – also von der Wurzel an – angepackt. Wenn die Große Koalition erfolgreich sein will muss noch etwas passieren, sie sind auf einem ordentlichen, aber auf keinem sehr guten Weg.

Okay, ich seh’s ja ein: C.Mücke gefällt mein Design nicht. “Der schlimmste Augenkrebs wird […] durch die zentrierten Headlines verursacht” schreibt er/sie in seinem Blog und ich scheine seinen ästhetischen Ansprüchen nicht zu genügen.

Ich weiß auch, dass die Fußleistennavigation auf Unverständnis stößt und Kontroversen auslöst. Wie Derek Powazek schon zu seiner – ähnlichen – Navigation schrieb:

Think about it this way: Sure, maybe only a small percentage of all readers will ever make it to the bottom of a page, but those readers are your most valuable. They read all the way to the bottom. They scrolled, even! When a reader reaches the bottom, they should be rewarded with a special treat – content, navigation, tools, whatever – not coldly abandoned the way most most sites do. Derek Powazek: Digging in the Dirt

Ich könnte ja nun auch sein/ihr Layout kritisieren, wie schwach ich sein/ihr Kopfbild findet, dass ein durchschnittliches Beispiel eines “Ich-kann-auch-Photoshop”-Wicked-Worn-Looks darstellt. Oder, dass er/sie ein Fixed-Width-Layout hat. Oder, dass es mich stört, wenn Überschriften mit kleinen Buchstaben beginnen. Oder, dass ich auf der Seite keine Informationen finden konnte, ob er/sie ein er oder eine sie ist.

Aber das alles muss ich ja nicht, weil es okay ist, wenn Menschen ihren eigenen Stil haben. Und weil ich es gut finde, wenn es kontroverse Meinungen gibt. Aber ich mag auch zentrierte Überschriften.

Zusammenfassung: Wem es hier nicht gefällt, der kann sich gerne auf anderen Webseiten umsehen, das reduziert dann auch die Gefahr Augenkrebs zu bekommen.

Die EU-Webdesignminister warnen: Zentrierte Überschriften und animierte Hintergründe führen zu Formen von Augenkrebs.

Wie unter anderem Molly Holzschlag und Andy Clarke berichten hat sich der britische Disney Store von ihrem validen XHTML-basierten Layout verabschiedet und ist wieder zu invalidem, proprietären HTML zurückgekehrt.

Auch bei der Google Suche zeigt sich, dass unter anderem “Spacer Gif” ein tolles Weihnachtsgeschenk sein könnte.

Nun muss man aber eines sehen, neben der Ironie dieses Google-Ergebnisses:

Webstandards sind noch immer kein Teil der Alltagskultur im Internet. Und nicht nur dort fehlt es, es fehlt auch in den Führungsetagen. Die “Entscheider” bestimmen über Webstandards oder Tagsoup. Über Stylesheets oder “Spacer Gifs”.

Zählt für sie nur das Aussehen? Eventuell. Rechnen muss es sich. Ob es das beim Disney Shop tun wird bezweifle ich stark. Die alte Seite war nicht nur schöner sondern auch zugänglicher als die neue.

Wenn man also Webstandards durchsetzen will, so kann man das sicher nicht als Webdesigner in seinem eigenen Medium, in seiner Community. Man muss umfassend, ganzheitlich und vollständig informieren, darf sich nicht in Fachsprache verstricken und muss klar fassbare Tatsachen anführen.

Initiativen wie die WaSP können nur erfolgreich sein, wenn sie sich direkt an die Menschen wenden, die a) die Schnittstelle zwischen Web und Benutzer besetzen (Hersteller von Browsern, Webeditoren, Webseiten) und b) die entscheiden wie ein Webdesign oder eine Seitenidee umgesetzt werden soll (Manager, Chefs von mittelständischen Unternehmen) und was dafür ausgegeben werden soll.

Zudem muss man zeigen, dass standardnahes, zugängliches und barrierefreies Webdesign sowohl einen Mehrwert hat als auch mehr Wert ist.