In der Blogosphäre schlägt Dirk Olbertz Ankündigung das Statistik und Rankingtool Blogscout zu schließen hohe Wellen.

Für mich hat der Dienst nie funktioniert. Das hatte ausnahmsweise auch Gründe. Zuerst wollte ich mit meinen Statistiken nicht von einem anderen Dienst abhängig sein. Das ist auch der Grund, weshalb Google Analytics für mich nicht funktioniert. Zudem war die Position in der Rangliste eher seltsam, von einem Tag auf den anderen konnte man schonmal mehrere dutzend Plätze steigen oder fallen.

Deshalb gab es für mich schon immer nur eine Lösung, die funktionierte und das war Mint. Was mir auch an diesem Tool gefällt: Es ist geschlossen. Niemand kann bei mir reinschauen, ich kann bei niemandem reinschauen. Schwanzvergleiche gibt’s genug. Dort oben zu stehen war für mich nie ein Ziel, und deshalb ist für mich das Verschwinden von Blogscout eher ein Segen als ein Fluch.

Unter anderem deshalb, weil Dirk sich jetzt mehr NoseRub widmen kann, ein Projekt von großer Bedeutung. Dafür viel Glück!

Heute gibt es mal Buchempfehlungen von mir für euch. Dabei haben einige was mit Webdesign und -gestaltung im weitesten Sinne zu tun, andere nicht. Anfangen möchte ich genau mit so einem fachfremden Werk.

Sol Stein: Über das Schreiben.

Mit einem über 400 Seiten starken Werk versucht Sol Stein, ein amerikanischer Schriftsteller, Publizist und Lektor, dem Leser nahe zu bringen, wie eine Geschichte entsteht und welche Dinge ein Autor zu beachten hat. Dabei geht er vor allem auf den handwerklichen Teil ein, beschreibt, wie Geschichten spannend gemacht werden können und Charaktere herausgearbeitet werden.

Ich empfehle das buch jedem, der Texte veröffentlicht, egal ob Sachtext oder Literatur. Einziger Wermutstropfen ist, dass man – hat man erstmal den Blick hinter die Kulisse gewagt – bemerkt wie gleich so viele Geschichten aufgebaut sind. Auf Leixoletti.de kann man sich die wichtigsten Thesen Steins bereits durchlesen. Ich empfehle trotzdem das bei Zweitausendeins aufgelegte Buch.

Roy McKelvey: Hypergraphics

Bei diesem Buch fällt mir die Empfehlung nicht leicht, weil es hoffnungslos veraltet ist. McKelvey beschreibt in dem mittlerweile 9 Jahre alten buch, wie Webseiten aufgebaut sind. Das in den Beispielen, z.B. Audi, Discovery Channel und MetaDesign, deshalb Tabellen eine zentrale Rolle spielen und auch der eine oder andere Frame auftaucht ist daher normal.

Trotzdem sind die Herangehensweisen und die Vielseitigkeit des Internetdesigns eine Betrachtung wert. Vor allem, weil die Seiten wirklich auseinander genommen werden. Auf der einen Seite gibt es gestalterische Hinweise, dann wird auch mal ein wenig HTML gezeigt und Farbschemata werden genauso erklärt wie verschiedene Grafikdateiformate. Gebraucht gibt es das Buch bei Amazon.de zu Preisen um 3 Euro.

Jakob Nielsen: Designing Web Usability / Jakob Nielsen & Marie Tahir: Homepage Usability. 50 enttarnte Websites

Beide Bücher gab es für fast nichts als Doppelausgabe bei Zweitausendeins. Dort sind sie jetzt leider nicht mehr aufzufinden, was schade ist. Grundsätzlich sind beide Bücher auch nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand, etwas, was viele Leute ja auch Nielsen selbst vorwerfen.

Designing Web Usability war für mich nicht der große Wurf. Für Anfänger können aber Dinge wie große Suchfelder usw. eine willkommene Einführung in die Usability-Problematik sein.

Plakativer, lehrreicher und wesentlich besser zu verstehen ist aber Homepage Usability. Das buch analysiert 50 große amerikanische Homepages und zeigt, was alles falsch und richtig gemacht wurde. Zwar hat sich die Bauweise von Seiten etwas verändert, aber die Kritikpunkte sind häufig immer noch gültig. Dabei hilft, dass alle Punkte auf Screenshots annotiert sind und man selbst entscheiden kann, ob das ein wichtiger Punkt für einen selbst ist.

Cyrus Dominik Khazaeli: Crashkurs Typo und Layout

Ein sehr kleines günstiges Büchlein, welches die Grundlagen von – oho – Typografie und Layout aufzeigt. Alles insgesamt ein bisschen viel für ein Buch von 470 kleinen Seiten. Ich glaube aber, dass diese kürze des Buches, zusammen mit der hohen Qualität des Inhalts eine tolle Grundlage für Designer auch im Web bietet, obwohl es sich auf Printdesign spezialisiert. Das Buch gibt es bei Amazon.de ebenfalls nur noch gebraucht, ab etwa 7 Euro.

Ralf Turtschi: Mediendesign

Das Beste zum Schluss. Turtschi ist Schweizer, sein Buch im Niggli-Verlag erschienen und wirklich umfassend. In sieben, sehr gut gestalteten Kapiteln zeigt Turtschi über Designtrends und Planung auch die verschiedenen Arten Zeitungen und Magazine zu gestalten. Dabei wird wirklich auf jedes Seitenelement eingegangen, Zeilenabstände und Bildverwendung aufwändig illustriert und sehr anschaulich dargestellt. Lediglich das Screendesign-Kapitel war nicht wirklich mein Ding, aber mit CD-Design hat man heutzutage ja auch weniger zu tun.

Bei diesem Buch, das ich nur jedem empfehlen kann, der sich ein wenig mit Gestaltung auseinandersetzt, gibt es aber auch einen Haken: Der Preis. Während ich es zu DM-Zeiten (ich schätze es war 2000) noch für 104 Mark, also 52 Euro, bekam, kostet das selbe Buch jetzt bei Amazon.de knappe 80 Euro. Das ist sehr viel für ein Buch, das 2000 seine 2. und bisher letzte Auflage erhalten hat und seit dem nicht mehr aktualisiert wurde. Andere Artikel von Turtschi gibt es kostenlos und als kostenpflichtiges Abonnement auf seiner Webseite.

Köln wird mir gerade so richtig sympathisch, zuerst das DevHouse und nun gerade einen Monat später das sehr nette zweite Domstadt-Barcamp.

Die Organisatoren muss man dafür loben, dass man keine Gründe hatte sie in Anspruch zu nehmen. Wirklich alles lief reibungslos. Danke dafür!

Das fing schon mit dem Frühstück am Samstag morgen an. Brötchen, Rührei und viel Kaffee lies die Herzen höher schlagen. Ich war zu dem Zeitpunkt schon ziemlich platt, weil ich schon um vier Uhr unterwegs war. Deshalb können die folgenden Darstellungen in weiten Teilen vom realen Geschehen abweichen :)

Die erste Session war (etwa) “Awareness von Web-Themen in der Politik” und drehte sich um die Vorratsdatenspeicherung, die Fragmentierung der Webcommunity und die Frage, ob schlechte Presse für Politiker wirklich „das Schlimmste, was ihnen passieren kann“ ist. Eigentlich eine spannende Diskussion, die dann aber zu schnell Richtung „Ströbele-Video“ abglitt und Politiker leider als unfähig und unwissend dargestellt wurden. Zum Glück gab es einige Stimmen, die ein wenig Einblick hatten. Auf Bürgersprechstunden und auch Anhörungen auf Europa-Ebene wurde da verwiesen: Es gibt viele Möglichkeiten seinem Willen Ausdruck zu verleihen.

Nächste Session war dann „Nützliche MacOS-Tools“, präsentiert von Kosmar. Einige sehr nette Tools dabei, für mich aber leider nix weltbewegendes. Leider sind mir die tools, die ich eventuell empfohlen hätte nicht eingefallen, hier deshalb der Nachtrag: Jing Project (Win&Mac), Hazel und Übertragen.

Dann war lecker Mittagessen. Und Johannes Kleske hat recht, wenn er schreibt, dass die Kameras und Neu-Startups überall waren… Letzteres wurde mir erst richtig bewusst, als ich gefragt wurde, was wir von yatil! denn so tun würden. Ist aber auch ein verdammt 2.0iger Name.

Nach dem Mittagessen ging es dann zu Tomas Caspers, dessen Session zu Barrierefreiheit wieder mal sehr interessant war. Ich liebe das Thema. Es verbindet Webdesign und Entwicklung mit Menschen. Jede schlaue Erfindung, die funktioniert, hilft ganz konkret Menschen. Gleichzeitig machte er deutlich, dass es keine vollständige Zugänglichkeit geben kann.

Dann ging es, sagt zumindest meine Erinnerung, zu einem Vortrag von Sebastian Küpers, den ich endlich mal persönlich kennen lernen konnte. Thema der Sessions waren Online-Identitäten, dabei legte er vor allem den Focus auf OpenID und die Feststellung, dass die Social-Networks ein Interesse haben, personalisierte Daten von uns zu leihen. Im Moment würden Social-Networks einfach so da sein und wollen, dass man sein gesamtes Leben importiert, das könnte in Zukunft anders sein.

Letzte Session vorm Grillen war dann wieder von Kosmar, der die Entwicklung von Web2.0 in den letzten 2 Jahren aufgezeigt hat, wieder gab es eine angeregte Diskussion.

Das Grillen mit Salaten, Bier, viel Social-Barcamping und Kickern war das eigentliche Highlight des Tages. Ich kam dann für die (neuerlich kurze) Nacht bei Gernot unter, dafür noch einmal ein Danke an den Rhein.

Der Sonntag begann mit einer Irrfahrt, die dann aber doch in Ossendorf endete. Frühstück war auch noch da, also alles halb so schlimm. Ein Negativhighlight war dann, dass man Tomas Caspers beinahe vor die Sponsorentafel schubste, als er seine Nachfolgesession vom Samstag ankündigte. So etwas muss echt nicht sein. Dann wartete die Polizei-Session von Guido Karl auf mich, die sehr nett anzusehen war. Ihrem Ruf konnte sie allerdings nicht gerecht werden, war trotzdem die Session mit dem höchsten Unterhaltungsfaktor.

Die anschließende dreiviertel Stunde brachte ich damit zu meine Präsentation zum Thema XHTML&CSS-Vorlagen auf Vordermann zu bringen. Diese lief dann auch ganz gut. Seltsamerweise habe ich die Zeit von einer 3/4 Stunde gut genutzt und konnte einen kleinen Überblick geben. Die gleichzeitig laufende Session von Silke Berz war übrigens überlaufen während wir mit wenigen Leuten im größten Raum untergebracht waren. Dafür gab’s mich als Livestream und das Video wird irgendwann abzurufen sein.

Dann war wieder Mittagessen und Johannes Kleskes Facebook Session. Ich bin ja schon länger da, wusste aber nie was damit anzufangen… Klingt auf jeden Fall interessant.

Anschließend folgte Tomas Caspers zweite Session, die ich mir natürlich nicht entgehen lies – wie gesagt: Ich liebe das Thema. Leider hielt sich die Zuhörerzahl zum Schluss in Grenzen und es waren nur vier Webkrauts noch anwesend: Tomas selbst, Michael, Maxx und meiner einer. Dabei war das Thema interessant, zum Beispiel das Verhalten von Browsern bei hohem Kontrast und die verschiedenen Testtools, die helfen wenigstens ein bisschen schon im Entwicklungsstadium auf Zugänglichkeit zu testen.

Danach löste sich die Veranstaltung auf und zurück bleibt das sehr schöne ein wenig grelle T-Shirt, das keine Sponsorenlogos zeigt und deshalb anziehbar ist, sowie eine Menge von Eindrücken, guten, interessanten Gesprächen und Kontakten und dem Gefühl, jetzt barcampabhängig zu sein.

Gut, dass es am 29./30. September ein Barcamp in Wien gibt. Und ne Woche später ist ja (lt. Upcoming) eines in München. Cool. Und Berlin ist ja von Wien auch günstig erreichbar.

Und gleich noch mehr Veranstaltungshinweise: Am 4. September findet der 3. Accessibility-Stammtisch in Wien statt, auch ein Webmontag wird um diesen Termin statt finden, wahrscheinlich einen Tag vorher, also am 3. September. Am 19. Oktober schließlich findet im TechGate Vienna die Veranstaltung <A-Tag>07: Barrierefreie Medien statt.