Am 6.5.2008 fand in Gelsenkirchen die „Einfach für Alle“-Fachtagung unter dem Titel „Konzepte und Zukunfts bilder für ein Barriere freies Internet“ statt. Rund 300 Experten fanden sich zusammen, darunter etwa 20 Webkrauts und eine größere Gruppe Österreicher.

Mein Fazit gleicht denen von Jens Grochtdreis und Gerrit van Aaken.

Die Präsentation der Umfrageergebnisse war kein guter Start in den Tag, das hätte man gerne flotter inszenieren können. Problematisch ist auch, dass man Internetnutzer befragt, ob sie das Internet benutzen. Meiner Meinung nach hat die Umfrage nur bei den Gehörlosen und Schwerhörigen eine Verbreitung erreicht, die es erlaubt auf Ottonormal-Internetbenutzer mit diesen Behinderungen rückzuschließen.

Die „Workshops“ erfüllten dann meine Erwartungen (die allerdings auch nicht sonderlich hoch waren). Die Moderation war zumindest in den beiden Workshops in denen ich war relativ unbefriedigend. Überhaupt waren qualitativ so viele Experten und Expertinnen da, dass man ohne weiteres vier Konferenztage hätte füllen können, so kamen Diskussionen heraus, die sich eigentlich immer um das selbe drehten: Was kostet Barrierefreiheit und wie mache ich es allen Nutzergruppen auf meiner Webseite recht.

Wirklich innovative Thesen hatte in meinen Sessions niemand vorzuweisen, dazu kam ein behäbiger „deutscher“ Stil ohne Humor. Das machte so nicht viel Spaß. Einzige Ausnahme war Christian Heilmann (Panelteilnehmer: „Wir leben ja nicht auf einer Insel…“, Christian: „Ich schon!“).

Schade war auch die Beschränkung auf zwei (von 16!) Workshops, nächstes Mal werde ich mir bei dieser Konstellation nicht die Workshops aussuchen von denen ich glaube, dass sie mich am meisten interessieren, sondern die, die am „langweiligsten“ klingen. Der Erkenntnisgewinn kann dann nur größer sein.

Die BIENE wurde dann mit viel Text auf vielen Powerpoint-Folien frei gelassen bevor der offizielle Teil beendet war und es zum Abendessen und Unterhaltungen in gemütlicher Runde kam.

Technisch war die Veranstaltung vorbildlich aufbereitet – acht parallele Sessions live inklusive Gebärdendolmetscher ins Internet zu übertragen ist schon eine Leistung.

Die Organisation war sehr gut, die Workshop-Idee vielleicht zu ambitioniert und der Veranstaltungsort (gerade beim Start der BIENE) zu heiß.

Die Gespräche mit den Webkrauts und anderen Teilnehmern haben sich aber wie immer auf solchen Veranstaltungen gelohnt.

Als Microsoft im März ankündigte, dass der IE8 standardmäßig mit seinem besten Rendering-Modus veröffentlicht wurde fiel uns allen ein Stein vom Herzen. Endlich kein hasLayout mehr und volle CSS2-Unterstützung.

Doch relativ schnell meldeten sich besorgte Leser bei den Webkrauts.

„Doch das größte Problem ist und bleibt ja der IE6. Und Leute die nicht auf den 7er geupdated haben, werden wohl auch nicht auf den 8er updaten. Also ändert sich nicht viel, man muss auch weiterhin an seinen Seiten rum schustern bis auch der IE6 sie gescheit darstellt-.-“
Andreas

Sogar mit dem IE4+5 wird argumentiert:

„[… A]ber gerade der IE ist noch immer sehr weit verbreitet und das bis zur alten Version 4.“Ingo

Okay, jetzt mal Tacheles: Die IE4 und 5 sind völlig unbedeutend. Wer sich immer noch auf diese bezieht und dafür optimiert und darauf testet, macht sich selbst das Leben schwer. Laut W3Schools lag der IE5 im März bei 1,1%, der IE4 unter 0,5%. Das sind vernachlässigbare Werte. Beide Browser sind tot. Unsere Aufgabe ist es dafür zu sorgen, dass die Benutzer solcher Antiquariate noch Inhalte zu sehen bekommen, sie werden dass schon aus ihrem Alltag kennen. Wie das Funktioniert zeigt(e) Jon Hicks in einer Präsentation bei der FOWD.

Aber nun zum IE6. Obwohl sich sein Marktanteil seit der Einführung des IE7 halbiert hat (30,1% im März 2008 von 60,3% im Januar 2006) ist er noch das Schwergewicht im Browserzirkus.

Die Frage ist nur: Soll man sich vom IE6 in seiner Gestaltungsfreiheit einschränken lassen?

Meine Antwort darauf lautet klar nein.

Ich bin ein großer Anhänger von Progressive Enhancement, also dem schrittweisen Verbessern von Webseiten ausgehend von den Fähigkeiten.

Es ist wirklich keine große Sache, wenn der IE keine abgerundeten Ecken hat, die „guten Browser“ aber über CSS3-Border-Radius welche bekommen. In Wirklichkeit schaut sich kein Internetbenutzer die Seite in zwei verschiedenen Browsern an, das machen nur Auftraggeber, die dann Pixel-Perfektion verlangen.

Kurzum: Es ist heute schon möglich Webseiten umzusetzen und sich nicht durch die Angst vor dem bösen IE6 hemmen zu lassen. Je weiter Features verbreitet sind, desto weiter muss auch Microsoft einen Einbau in den IE9 erwägen. Leider wird der IE8 nur CSS2-Unterstützung haben. Viele sehen das schon als Untergang des Abendlandes an. Ich bin mir aber sicher, dass viele Webdesigner CSS3-Features sowieso noch nicht nutzen und, dass Microsoft mit dem IE8 ein gutes Fundament hat um darauf aufzubauen. Diese Rendering-Engine ist hoffentlich für die Zukunft besser gefeit als die der IE-Versionen zuvor.