Was man von der Arbeitsgruppe zur zweiten Version der BITV hört ist beunruhigend. Schon alleine der Umstand, dass selbst Branchenvertreter nur durch eine parlamentarische Anfrage von der Arbeitsgruppe und ihrem Fortschritt erfährt, stellt sie in ein schlechtes Licht.

So gut, wie die BITV in der ersten Version funktioniert hat, so beunruhigt bin ich doch im Vorfeld der neuen Version. Anscheinend findet dort eine gehörige Lobbyarbeit der Verbände statt, die die WCAG 2.0 nur als Vorlage ansehen.

Bereits bei der BITV 1 gab es gehörige Inkompatibilitäten mit der WCAG 1. Das Bemühen von EfA die BITV an die internationalen und aktuellen gegebenen Umstände anzupassen zeigt das deutlich. Die Ziele der BITV 2 scheinen mit denen der WCAG 2 nicht überein zu stimmen:

Die Belange von Menschen mit Lern- und geistigen Behinderungen sollen zukünftig stärker berücksichtigt werden, gerade auch in Form von Leichter Sprache. Gleichzeitig soll sich die BITV an den WCAG 2.0 orientieren, in der diese Belange eine deutlich geringere Rolle spielen. „BITV 2.0 am grünen Tisch?“ — Martin Kliehm

Zudem findet das Verfahren der BITV hinter verschlossenen Türen statt, der Prozess des W3C ist hingegen für jeden offen. Jeder ist dazu aufgerufen sich an diesen Empfehlungen beteiligen. Weshalb die deutschen Organisationen auf eine Partizipation in diesen Gremien verzichten und lieber ihre eigenen Brötchen backen bleibt mir wohl verschlossen.

Eine inkompatiblen BITV verkompliziert aber auch den Vorgang für Unternehmen, die auf europäischer Ebene arbeiten. In der Schweiz und in Österreich werden die WCAG 2 referenziert, in Deutschland könnten diese Seiten als nicht barrierefrei gelten (und umgekehrt).

Was passiert eigentlich bei Webseiten, die auf EU-Ebene entstehen? Eine Webseite einer deutschen EU-Präsidentschaft müsste für deutsche Benutzer anders aussehen als für österreichische. Und wollen wir in der EU wirklich 27 verschiedene Regelungen für barrierefreies Web? Ich denke nicht.

Die Arbeitsgruppe muss sich strikt an den WCAG 2 orientieren. Meine Optimalvorstellung wäre natürlich eine 1:1-Umsetzung der WCAG 2, und ein größeres Engagement in den W3C-Arbeitsgruppen.

Am 4. und 5. September findet der Webkongress Erlangen statt und Tickets sind nun zum Frühbucherpreis noch bis zum 13. Juli erhältlich. Es gibt auch eine ermäßigten Preis für Studenten (und öffl. Dienst, Behinderte, Arbeitslose, Renter), der noch mal einen 40-€-Rabatt bedeutet.

Grund für meinen Eintrag hier dient aber natürlich nicht der reinen Werbung (ok, eigentlich schon), sondern der Hinweis auf mein Engagement als Sprecher. Am zweiten Kongresstag darf ich meinen bewusst provokant benannten Vortrag „Webdesigner an die Macht“ präsentieren. Es geht darin um folgendes:

Webseiten sind heute das Mittel der Kommunikation mit Kunden, deren Erwartungen natürlich erfüllt werden müssen. Die Arbeit von Frontend-Webdesignern wird daher immer wichtiger. Häufig ist deren Aufgabe jedoch nur das Umsetzen von Photoshop-Vorlagen in HTML und CSS, doch hochwertige, barrierefreie Webseiten benötigen viel mehr Zuwendung. Fluide oder elastische Layouts können in Photoshop maximal simuliert werden, das Verhalten der Webseite bei Aktionen der Benutzer ebenso.

Gute Webdesigner wissen, wie man mit den Beschränkungen und Möglichkeiten des Webs umgehen kann. Sie stehen für Progressive Enhancement und für Webseiten, die auf die Zukunft, nicht auf die Vergangenheit ausgerichtet sind.

Beide Kongresstage sind mikroformatiert aufbereitet und bieten vielfältige Themen rund um das Web.

Gleich am ersten Tag gibt es einige interessante Vorträge, z.B. Nicolai Schwarz mit „Wenn der Hund beim Jonglieren scheitert, sollte er vielleicht das Kleid ausziehen“, der leider gleichzeitig mit Martin Kliehm die bühne betritt. Dabei hätte ich wirklich gerne etwas über „Wet Floor und Coverflow: Canvas in HTML5“ gehört.

Ansgar Hein zeigt „Progressive Enhancement & Barrierefreiheit am Beispiel von jQuery“ und Dirk „YAML“ Jesse stellt uns „Erwartungen, Mythen und reale Vorteile von CSS Frameworks“ vor. Tagesabschluss am ersten Tag könnte dann Tomas Caspers sein: „Barrierefreiheit im Jahre 2008 – Mehr offene Fragen als Antworten?“.

Der zweite Tag beginnt entweder mit „Barrierefreiem Javascript“ oder dem „Web 3.0“ bevor Jens Grochtdreis auf „Die 10 drängendsten Herausforderungen des Web“ eingeht. Nach meinem Talk wird Michael Jendryschik „6 Beispiele für die nützliche Anwendung von Mikroformaten“ zeigen und Nils Pooker den Kongresstag mit „Webstandards – noch immer ein Thema?“ abschließen.

Damit sind unter anderem gleich neun Webkrauts zu hören, eine tolle Sache.

Alle Informationen gibt es auf der Webseite des Webkongresses.

Was wurde in den letzten Wochen nicht alles geschrieben über fixe, elastische und fluide Layouts. Und über ihre Vor- und Nachteile.

Ein Layout soll folgende Erwartungen erfüllen:

  1. Bei Textvergrößerung soll es nicht kaputt gehen
  2. Die Laufweite der Zeilen soll nicht zu lang sein
  3. Horizontales Scrollen ist nicht erlaubt
  4. Es soll an den Seiten kein Platz „verschwendet“ werden

Fixe Layouts erfüllen die Punkte 2 und 3, elastische die Punkte 1, 2 und 4. Fluide Layouts sind 1-, 3- und 4-kompatibel.

Was liegt da näher als die Stärken von zwei Layouts zu verbinden. Namentlich sind das fluide und elastische Ansätze. Die Lösung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, zeigt aber, dass man auch Wege abseits der klassischen Layout-Dreifaltigkeit gehen kann.

Auf der Beispielseite sieht man den einfachen, beispielhaften Seitenaufbau:

<div id="container">
    <div id="content">      
        …
    </div>
    <div id="aside"> 
        …
    </div>
</div>

Mit Text-Formatierung und ähnlichem wollen wir uns nicht länger aufhalten, deshalb binden wir die YUI-Grids- und -Base-CSS-Dateien ein, die eine Basisformatierung ermöglichen. (Für solche Beispiele optimal.)

Wir beginnen indem wir dem Container eine Breite in em zuweisen, in diesem Fall 45em (was hier willkürlich ist).

Inhalte und Seitenleiste definieren wir in Prozenten. Im Beispiel für die Inhaltsspalte 61% und für die Seitenleiste 35% und floaten beide Container nach links bzw. rechts.

Das ist so weit nicht aufregend, wir haben damit ein elastisches Layout gebaut und auch noch nicht das horizontale Scrollen vermieden. Das tun wir indem wir die (maximale) Breite des Containers begrenzen, in diesem Fall auf 100%. (Für den entsprechenden IE6-Hack sind Sie selbst verantwortlich, ich werde dafür keine Haftung übernehmen ;))

#container {
    text-align:left;
    width:45em;
    margin:0 auto;    
    max-width: 100%;
}
    
#content {
    float: left;
    width: 61%;  
    background-color:#ee9;
}              

#aside {
    float: right;
    width: 35%;
    background-color:#99e;
}  

#content, #aside {
    border: 1px solid #333;
}

Bis der Container so breit ist wie das Fenster haben wir effektiv ein elastisches Layout, danach ist es ein fluides und die Schriftart wird nur mehr vergrößert.

Diese Layout-Art funktioniert in allen Browsern mit Textvergrößerung oder funktionierender Zoomfunktion (also Opera, getestet in 9.5, und nicht im IE7 – der das einmal Gerenderte fast wie ein Bild vergrößert).