In letzter Zeit konnte man an vielen Stellen im Web von Stagnation lesen, von den unglaublichen Bürden, die Webstandards und vor allem die Entwicklung neuer Versionen davon bedeuten und das ja sowieso alles schlecht ist, was gerade passiert.

Dabei scheint jeder einzelne Vorschlag grundsätzlich erstmal auf Ablehnung zu stoßen, egal in welche Richtung er geht. Beispiel HTML5: Warum braucht man dafür so lange, was soll das alles überhaupt und warum ist genau das, was ich jetzt gerade brauche nicht implementiert? Beispiel IE6: Natürlich muss ich ihn voll unterstützen, die Benutzer kommen mit einer abgespeckten Version nicht zurecht, der kann ja kein <beliebiges HTML/CSS-Feature einsetzen>, der Kunde will es aber doch so!

Es reicht.

Es macht keinen Spaß Standardista zu sein (und als Mitglied der HTML WG und BAD TF darf ich mich sicherlich als solcher bezeichnen), wenn jede neue Idee, jede fortschrittliche Technik rundweg todgeredet wird. Wenn jeder kleinste Fortschritt gleich mit üblen Kommentaren erstickt wird.

Niemand zahlt explizit für CSS-Layouts, wir tun es trotzdem, weil es unser Ethos ist. Weil wir denken das richtige zu tun. Deshalb achten wir zumindest auf Barrierearmut und setzen unobtrusive JavaScript ein. Wir müssen das nicht. Aber es hat Vorteile für uns, weil wir uns Arbeit einsparen und für Kunden, weil sie weniger Aufwand bezahlen müssen. Das alles ist bei wirklich ernsthaften Webentwicklern selbstverständlich.

Warum gibt es dann so wenig Konsens, wenn es darum geht moderne Webbrowser als Grundlage für die Webentwicklung zu benutzen? Warum sollten wir für abgerundete Ecken lange Zeiten berechnen, wenn wir mit zwei CSS3-Anweisungen uns nicht nur die Arbeit einfacher machen und die Wartung von Webseiten erleichtern können? Beispiel: Man entscheidet mit dem Kunden zusammen die Rahmenfarbe eines Kasten mit abgerundeten Ecken zu ändern. Natürlich kann man jetzt sich Ecken noch einmal in Photoshop zurechtschneiden (und diese Arbeit berechnen), aber einfach border-color abändern zu können ist ein unbestreitbarer Vorteil.

Zugegeben, der IE kann das nicht und wird es auch in Version 8 nicht können. Aber ist das ein Beinbruch oder gehört das eher zu einem der HTML-/CSS-Unterschiede, die mir egal sein können? Natürlich muss man auch hier abwägen, muss die Nutzerstruktur seines Kunden genau kennen. Aber das gehört zum Beruf.

Ich lade euch ein, zum Experimentieren, auch mal neue Lösungen auszuprobieren und neue Webstandards zu benutzen. Das erhöht den Druck auf die Browserhersteller, ihre Sache auch richtig zu machen, Dinge wie RGBa auch zu Implementieren. Das hat ja sogar mit transparenten PNGs geklappt, mit mit AJAX und mit Mikroformaten, die bereits vom Firefox und dem IE8 unterstützt werden.

Natürlich müssen Seiten für den IE6 auch zugänglich sein, aber schon lange nicht mehr perfekt. Auch das gehört zum guten Handwerk. Und das Webseiten, die direkten kommerziellen Interessen unterliegen, also E-Commerce, anderen Gesetzmäßigkeiten unterliegen ist auch wahr. Aber dort verdient man ja mit den hinzugewonnen Kunden dann das Geld, das man für die IE6-Optimierung wieder ausgibt (und hoffentlich ein bisschen mehr).

Wer allerdings sagt, dass mit dem Wegfall der Unterstützung für den IE6 weniger verdient, weil er ja dem Kunden weniger Aufwand in Rechnung stellen kann, der muss sich ernsthaft fragen lassen, ob er seine Kunden gut genug beraten hat. Es ist nämlich letztlich Betrug am Kunden, wenn man ihn nicht über die Nebenwirkungen (in Form von Mehrkosten) für sein Webprojekt aufklärt.

Wir brauchen einfach mehr Bewegung im gesamten Browser-/ Webstandards-/ Webdesigner-/ Entwickler-/ Kunden-Gefüge. Die Webstandards sind gerade gehörig in Bewegung, die Browserhersteller ziehen mit, legen teilweise sogar vor, wie es mit dem Canvas-Element passiert ist. Das ist gut. Aber wir als Entwickler sind gefragt bei dieser Entwicklung mit zu ziehen bevor sie einschläft und wir uns weitere Jahre mit der selben Konstellation herumschlagen, die wir schon seit Jahren beklagen. Wir müssen diesen Schritt jetzt gehen und über die Tellerränder hinaus schauen, sonst haben wir diese Chance vielleicht endgültig vertan.

Als ich mir vor gut einem Jahr PHP-Frameworks angeschaut habe, sagte mir CodeIgniter beim ersten Test gleich extrem zu. Eine saubere Baumstruktur und konsequentes hinarbeiten auf das MVC-Pattern machten gleich einen guten Eindruck.

Nun konnte ich bei der Entwicklung der A-Tag-’08-Webseite erstmals dieses Framework wirklich nutzen und austesten. Natürlich dauerte dieses erste Projekt als Lernphase relativ lange, aber mit etwas Übung ist das Framework wirklich gut zu beherrschen.

Als besonders praktisch hat sich die ActiveRecord-Komponente der Datenbank-Bibliothek erwiesen. Dadurch ist es möglich auch komplexere SQL-Anfragen zu formulieren ohne die genaue SQL-Grammatik zu kennen, was vor allem bei sehr dynamischen Abfragen sinnvoll ist.

<txp:glx_code file=“activerecord“ dir=“code/codeigniter“ />

Im Großen und Ganzen habe ich die Möglichkeiten von CodeIgniter sicherlich nur oberflächlich angekratzt, für ähnliche Projekte ist es aber ganz sicher wieder das Werkzeug meiner Wahl.

Interesse am Thema Accessibility? Dann habe ich eine Veranstaltungsempfehlung für meine lieben Leser. Am 21. November 2008 findet im TechGate in Wien der dritte A-Tag statt. Diesmal wird er von accessible media in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend veranstaltet und bietet Vorträge vom Allerfeinsten.

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Ich habe die Ehre das Event mit zu organisieren und bin stolz, dass uns ein hochkarätiges Programm mit tollen Vortragenden gelungen ist: Neben den Webkrauts Christian Heilmann, Maria Putzhuber, Tomas Caspers und Martin Kliehm sind weitere Vortragende aus unterschiedlichen Bereichen des Barrierefreien Webs eingeladen. Die Keynote wird Robert Lender halten, Artur Ortega von Yahoo! wird zum Thema JavaScript sprechen, Shadi Abou-Zhara über WCAG2 und Peter Purgathofer über E-Voting.

Ein weiterer Schwerpunkt wird im Bereich e-Government gesetzt, barrierefreie CMS spielen genauso eine Rolle wie Barrierefreiheit in Ausschreibungen.

In einem Beitrag auf MAIN_web hat die Vorsitzende von accessible media, Eva Papst, einige treffende Worte zum Titel der Veranstaltung gefunden:

„Mit der Themenvielfalt der diversen Referate beim A-Tag ‘08 versuchen die VeranstalterInnen den unterschiedlichsten Bedürfnissen unseres heterogenen Publikums und somit allen Generationen der WebgestalterInnen gerecht zu werden. Ob Richtlinien, Standards, Organisation, Checktools oder moderne Webtechnologie – es ist sicher für jeden etwas dabei, das den Generationskonflikt der Weblandschaft verringern helfen kann.“

Neben allgemeinen Organisationsaufgaben habe ich auch die Webseite zur Veranstaltung auf meine Kappe genommen. Zum Einsatz kommt das CodeIgniter-Framework, mit dem sich die Seite einfach umsetzen ließ. Es funktioniert ähnlich wie das in Textpattern integrierte Bannister-Framework, mit dem ich schon vorher gearbeitet hatte.

Die Registrierung für den A-Tag ’08 ist kostenlos.

Nächste Woche werde ich das erste mal seit über 10 Jahren eine ganze Woche unfreiwillig ohne Computer sein, mein MacBook muss nämlich zur Wartung in die Werkstatt und ich habe (natürlich1) keinen Ersatz.

1 Ja, daran sollte ich was ändern und ich hab Glück, dass ich gerade nicht mitten im Semester oder in Projekten stecke.

Kaputt ist, wie bereits vor einem Jahr, der Lüfter, der mittlerweile nicht nur unglaublich laut ist, sondern auch manchmal einfach nicht anspringt. Das kann ich natürlich nicht so lassen, viel zu groß ist meine Angst, dass da noch mehr durchbrennt.

Das MacBook wird jedenfalls erstmal auf Herz und Nieren gecheckt und dann repariert, sofern sich das noch lohnt. Ich habe nämlich insgeheim den Verdacht, dass es kein „einfacher“ Lüfterdefekt ist, sondern mehr kaputt ist. Für diese Theorie spricht, dass USB-Geräte oft nicht erkannt werden und Bluetooth sowie iSight schon eine ganze Zeit lang nicht mehr funktionieren. Ein Austausch des Logicboards würde jedoch über den Neupreis eines MacBooks hinausgehen.

Per E-Mail bleibe ich weiterhin erreichbar (aber hauptsächlich auf dem Handy, erwartet also keine schnellen oder langen Antworten). Wünscht meinem MacBook gute Besserung!

Update: Danke Robert!

Robert hat mir erlaubt seinen nicht mehr in (reger) Verwendung befindlichen G5-Mac-Mini auszuborgen, eine Gelegenheit, die ich mir nicht entgehen lies. Die Geschwindigkeit ist nicht atemberaubend, aber es reicht für die meisten Websachen und das ist eigentlich eh alles was ich brauche. Ein ganz herzliches Danke!

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