Am 27. März 2009 findet in Frankfurt das „Europäische Accessibility Forum“ statt, das von der Agentur namics organisiert wird. Dabei werden Accessibility-Experten teilnehmen, die man in dieser Zusammensetzung im deutschsprachigen Raum noch nicht gesehen hat.

Aus der Selbstbeschreibung:

„Barrierefreiheit hat eine Wandlung vollzogen. Angesichts der demographischen Entwicklung ist Barrierefreiheit ein wirtschaftlicher und ethischer Imperativ geworden, aber auch ein Zeichen von Professionalität. Die Innovationsführer der Branche – darunter die Europäische Kommission, France Télécom, Google, IBM, Microsoft, Mozilla, Opera, das W3C, das Web Standards Project und Yahoo! – teilen ihr Wissen, diskutieren soziale und politische Entwicklungen im Internet: Das Netz, das uns überall umgibt und durch dessen Maschen wir auch dann nicht fallen wollen, wenn wir im Alter eine Behinderung erwerben.“

Auch ich wurde zu dieser Veranstaltung eingeladen und werde das Panel „Barrierefreiheitsrichtlinien im nationalen Vergleich“ moderieren, eine Aufgabe auf die ich mich bereits sehr freue.

Die Veranstaltung wird im „Haus am Dom“ durchgeführt und die Anmeldung ist seit heute geöffnet, Karten kosten richtig günstige 220€.

Nils Pookers Buch „Der erfolgreiche Webdesigner“ (Amazon-Partnerlink) ist anders und das ist gut so. Es geht nämlich nicht um irgendwelche HTML– und CSS-Tipps, die man sowieso schon irgendwo mal irgendwie gesehen hat und die seit 2003 auch nicht mehr wirklich als neu zu bezeichnen sind, sondern um Kommunikation.

Nils kann kommunizieren. Das merkt man an jedem Satz, an jedem Vergleich und jeder Metapher, die er benutzt. Nils weiß was er tut und so beschäftigt sich das Buch mit der Kommunikation zwischen Webdesigner und Kunde und gibt dazu Hilfestellungen, wie man mit vermeintlich schwierigen Kunden (die es ja gar nicht gibt) umgehen kann und wie man herausfindet was der Kunde eigentlich wirklich will.

„Ersparen Sie Ihren Kunden billige Telefonverkäufertricks, die kennt er nämlich schon. Geben Sie lieber zu ihren Erfahrungswerten noch etwas Zeit dazu – Ihr Kunde wird sich freuen, wenn es dann schneller geht.“ „Der erfolgreiche Webdesigner“, Seite 260

Dazu stellt Nils gleich noch eine Checkliste zusammen, einen Gesprächsleitfaden. Mit diesem ausgestattet kann man dann als potenziell erfolgreicher Webdesigner viel konzentrierter in ein Kundengespräch hineingehen, ohne die Angst zu haben danach einen wichtigen Aspekt vergessen zu haben. Zudem sind die Fragen so aufeinander aufgebaut, dass sie auch dem (potenziellen) Kunden einen Einblick in die Komplexität des Webdesigns geben ohne ihn mit Fachbegriffen zu überhäufen.

Überhaupt: Fachbegriffe nur behutsam zu verwenden sollte uns allen geläufig sein. Nils geht den Schritt so weit, dass alles was er sagt vom Kunden verstanden werden soll, zumindest aber erläutert oder gar per Handout erklärt wird. Das ist vorbildlich und findet hoffentlich dank des Buches viele Nachamer.

„Ein professioneller Webdesigner gleicht damit heute der modernen Form von Goethes Faust, der sich angesichts seines angehäuften Wissens doch ständig am Anfang deiner Fragen wähnt und ständig der Versuchung unterliegt, schnelle und bequeme Wege zu gehen.“ „Der erfolgreiche Webdesigner“, Seite 28

Im Abschnitt „Grundlagen für eine erfolgreiche Selbstständigkeit“ werden alle Aspekte der selbstständigen Tätigkeit beleuchtet, inklusive Bankgespräche, Steuerberatung und Businesspläne.

Der Schreibstil ist locker und anschaulich gehalten, nicht selten mit Spitzen gegen Browser aus Redmond. Trotz dieser amüsanten Anmerkungen wird das Buch nie lächerlich, Nils beherrscht den Seiltanz zwischen Ernst und Witz mit traumwandlerischer Sicherheit, wodurch keine Langeweile aufkommt.

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Es gibt aber auch Dinge, die mir nicht so gut gefallen haben: Das Buch fast zwei Kapitel zu lang. Teil IV, „Erfolgreiche Projekte – Planung, Management und Systeme“ mit den Kapiteln 8, „Webstandards“ und 9, „Usability und Accessibility“ passt nicht wirklich zum Rest des Buches. Plötzlich wird es technisch, die Geschichte der Webstandards wird ungefähr aus dem Jahr 1996 erzählt, inklusive Tabellenlayouts und 1px-GIFs. In nichtmal 2 Seiten wird über WYSIWYG-Editoren drübergefegt, inklusive der Erwähnung von nicht mehr so ganz aktuellen Programmen wie Adobe Pagemill. Das ganze ist eine nette Retrospektive, aber nichts, was ein erfolgreicher Webdesigner wissen muss, der heute erfolgreich sein will.

Die Begründung Webstandards zu verwenden ist hingegen sehr gut und einleuchtend geschrieben, gute Beispiele machen Webstandards zu einem „Must-have“. Nicht begeistert bin ich aber davon wie Nils bei den praktischen Beispielen dann Elemente und Tags gleich setzt und dann doch vermischt. Wenn man keine Ahnung von der Materie hat, dann wird man von dieser Passage verwirrt anstatt etwas dabei zu lernen. Gerade bei einer kurzen Zusammenfassung hätte ich mir da mehr Konsistenz und Klarheit gewünscht.

Ähnliches gilt auch für Kapitel 9: Usability wird in zwei Seiten abgefrühstückt, obwohl das meiner Meinung nach zu den Kernkompetenzen eines Webdesigners gehört, der Teil über die Accessibility ist in Ordnung. Weshalb aber visuelle Konzeption (Grafische Layouts, Online-Styleguides, HTML-Prototypen), technische Konzeptionierung und das Texten fürs Web auch unter Accessibility behandelt werden verstehe ich nicht. Hier hätte ich mir einerseits mehr Umfang und mehr praktische Information gewünscht. Das letzte Kapitel wirkt wie eine Zusammenstellung aus dem Bereich „Was mir sonst noch so einfiel.“ und passt damit nicht wirklich in das ansonsten vorbildliche Buch.

Fazit

Das Buch bekommt von mir trotzdem die volle Punktzahl, 5 von 5 Punkten. Warum? Die Aspekte der Kundenkommunikation sind sehr gut herausgearbeitet und die Checklisten sind Gold wert und auch mit dem Preis für das Buch wohl nicht aufzuwiegen. Am Rand dieses Schwerpunkts gibt es dann eine gewisse Unschärfe, die man aber verzeiht, man kauft das Buch eben nicht um Webstandards zu lernen.

Die beigelegte DVD enthält neben den Checklisten auch “Nils Vortrag vom TechTalk, den man aber auch im Internet findet sowie Previews von Galileo-Videotrainings. Vielleicht sollte man sich daher die Kosten für die DVD-Produktion sparen und auf ein Download-Pack setzen, sind die Checklisten-Dokumente doch insgesamt gerade mal 1,6 MB groß.

Das Buch gehört in den Schrank eines jeden professionellen Webdesigners, gerade wenn man mit dem Gedanken spielt sich selbstständig zu machen hilft das Buch einzuordnen ob man es wirklich will oder lieber auf dem Angestellten-Weg bleibt.

Hinweis: Nils Pooker und ich sind Redakteure bei den Webkrauts, ich erhielt ein kostenloses Rezensionsexemplar. Ich habe es nicht verlost.

Im Gegensatz zu anderen Menschen behaupte ich nicht, dass ich Dinge vorhersagen kann. Ich erlaube mir dennoch eine kleine Beobachtung auf das Jahr 2009 zu übertragen:

HTML5 wird 2009 seinen großen Durchbruch erleben.

Warum? Führende Opinion Leader vertrauen der neuen Technologie, zum Beispiel Jeffrey Zeldman, Eric Meyer und Jeremy Keith.

Neben dem von mir gestalteten A-Tag ’08, der die neuen Möglichkeiten noch sehr sporadisch einsetzt und im Oktober veröffentlicht wurde (Erster!), gibt es nun gleich zwei Weitere Konferenzen, deren Webseiten auf HTML5 setzen und die damit auch einen kleinen Trend vorgeben: An Event Apart, eine ganze Serie von hochpreisigen und hochqualitativen Web-Events setzt genauso wie die ebenso hochpreisige und Qualitative UX London auf den neuen Standard.

Es gibt allerdings noch einige Probleme mit der Implementation in den Browsern, so verweigert der Firefox 2 unbekannten Elementen, die Block-Elemente beinhalten, den eigenen Block-Zustand und schließt sie direkt wieder. Das ist natürlich nicht optimal, der Anteil der Firefox-2-Benutzer schrumpft aber zugunsten des Firefox 3 stetig, so das uns das nicht wirklich langfristig Probleme machen wird. Bis dahin kann man sich mit zusätzlichen div-Elementen helfen.

Der IE lässt das styling von unbekannten Elementen nicht zu, es sei denn man meldet sie per Javascript an:

document.createElement("abbr"); // Yes, IE there is an abbr element in HTML
document.createElement("dialog"); // And a dialog as well.
document.createElement("article"); // Articles
document.createElement("nav"); // Navigation

Das sind alles einfache Workarounds für diese Problematik. HTML5 ist definitiv praxistauglich, auch wenn einiges noch nicht so einfach und intuitiv funktioniert, wie es sollte – aber das tut es ja ansonsten auch nicht.

Die Browser werden die neuen Sachen in diesem Jahr weiter und immer besser unterstützen, auch der IE in Version 8 wird da einen Schritt nach vorne machen. Nun fehlt nur noch die umfassende Unterstützung für die wichtigen CSS3-Standards (Abgerundete Ecken, Schatten, Advanced Layout, Webfonts usw. usf.) und die Webentwickler-Welt wäre wieder einen guten Schritt perfekter. (Ja, und mir ist es völlig wurscht ob der IE6 das nicht kann.)