Vorweg: Das ist meine eigene persönliche Meinung, niemand soll sich genötigt sehen aufgrund dieses Artikels seine Entscheidung morgen zu überdenken. Wichtiger als das was ihr wählt ist mir, dass ihr wählen geht. Nichtwählen ist immer die falsche Entscheidung.

Eigentlich passe ich super ins Beuteschema der Piraten: Mitte 20, äußerst Internetaffin, für mehr Freiheit und weniger Einschränkung der Bürgerrechte bin ich auch. Und ein freies Internet will ich sowieso.

Aber damit ich eine Partei wähle muss sie sich auch aufführen wie eine Partei. Damit meine ich nicht nur die Gründung als Partei und das Betreiben des Wahlkampf, sondern auch wahltaktisch klug zu agieren um nicht direkt seine Chancen zunichte zu machen. Die Piraten machen Leider genau das Gegenteil von „klug“. Dazu gehört meiner Meinung nach zum Beispiel die Aufnahme des Abgeordneten Tauss, der – er hat das zugegeben – Kinderpornos besessen hat. Aus welch edlen Motiven das geschah ist bei heutiger Gesetzeslage nebensächlich. Egal ob Tauss nach der Wahl nun verurteilt wird oder nicht, seine Partei wird als Bundestagsabgeordneter natürlich immer genannt, wenn über den Fall im Fernsehen berichtet wird. Dazu wird berichtet, dass die Piraten gegen Internetsperren für Kinderpornografie sind (weil man die nicht so gut kennt). Dem unbedarften Bürger muss das wie eine Kinderpornografie-Partei vorkommen.

Das zweite Problem habe ich mit der Catch-All-Mentalität. „Egal ob von Rechts oder Links, wir nehmen sie alle“ war so ähnlich im Rahmen des (zurecht) umstrittenen „Junge Freiheit“-Interview zu hören. Ich erwarte von einer Partei, die ich wählen soll ein klares Bekenntnis gegen Rechts, die Piraten laufen Gefahr in eine Ecke mit den rechts-liberalen der FPÖ zu rutschen – und das können sie doch eigentlich nicht wollen. Zudem erwarte ich von jemandem, der Vize einer Internetpartei ist, dass er grundsätzlich jedes Medium, das ihn interviewen will, googlet. Dann findet man auch Artikel wie die von „Netz gegen Nazis”.

Überhaupt fehlt mir eine Vision, ein gesellschaftliches Grundkonzept. Mit freiem Internet alleine ist es doch nicht getan. Ich finde gut, dass die Piraten das Thema bekannt machen, es ist ein wichtiges. Aber ich hätte das eher in einem Verein gesehen, der sich parteiübergreifend dafür einsetzt anstatt sich abzukapseln.

Die Motive der Partei mögen gut sein, das handwerkliche Geschick hat diese junge Partei aber noch lange nicht um mich davon zu überzeugen sie zu wählen. Auch die Wahlprogramme traditioneller Parteien enthalten die Forderung nach freiem Zugang zu Informationen, bei Grünen und FDP beispielsweise. Das Thema ist also auch dort nicht aus dem Auge verloren, auch wenn Anhänger der Piraten das gerne behaupten.

Flamewar jetzt in den Kommentaren. Bitte seid nett zueinander. Werbung, auch Wahlwerbung, sehe ich nicht gerne und wird ggf. gelöscht.

Wie schon vor 4 Jahren hier meine kurze Einschätzung zum TV-Duell:

Wie bereits beim letzten Mal gab es wieder viel zu viele Moderatoren. Ich finde es ein Fehler von den Parteien nicht mehr direkte Duelle zuzulassen und daher dieses Format zu provozieren. Auch das relativ starre Frage- & Antwortformat ergab sich aus diesem Umstand, ich bin sicher, dass die Moderatoren auch ein ausgeglichenes Redekonto hatten.

Was beim TV-Duell unterging waren die wirklichen Kontroversen1, und als Steinmeier Merkel mit ihren Steuerplänen gerade aus der Reserve locken wollte wechselte der sonst von mir geschätzte Frank Plasberg das Thema (zu Gesundheit). Das war sehr unglücklich, hätte das doch eine spannende Diskussion ergeben können. Überhaupt hat das Format Merkel mehr gestützt und Steinmeier eher verkürzt. Deshalb kam es bei ihm auch öfters vor, dass er in der nächsten Frage noch einmal auf die vorhergehende eingehen musste.

Insgesamt war das Duell sehr ausgeglichen neutral, Steinmeier konnte sich genau so wenig profilieren wie Merkel. Man muss sich fragen, was überhaupt Ziel dieses TV-Duells ist. Einmal in vier Jahren erreicht Politik eine Publizität, die sie sonst nie auf einmal hat. 2005 waren es 21 Millionen Menschen vor den Fernsehern, dieses Jahr nur noch 14 Millionen. Und Merkel und Steinmeier haben den meisten Zuschauern wahrscheinlich nicht mehr Appetit auf Politik gemacht sondern weniger.

Steinmeier hat damit seine letzte Möglichkeit verspielt erneut Vizekanzler zu werden, es winkt die Opposition zusammen mit Linken und Grünen. Und die Linken sind das eigentliche Problem der SPD, deren Wählerschaft sich in Realos2 (die die SPD wählen) und Fundis (die die Linken wählen) gespalten hat und die ohne Linke (bzw. deren Wähler) es schwer haben wird in Zukunft eine Regierung zu stellen.

Unter diesen Umständen ist ein TV-Duell alles andere als spannend oder sehenswert, ob sich in 4 Jahren ein Duell überhaupt noch rechtfertigen lässt ist natürlich fraglich und hängt vom Wahlergebnis ab. Von den drei Charakterköpfen Westerwelle/Lafontaine/Trittin heute Abend im Ersten erwarte ich mir jedenfalls die heftigere und lebendigere Diskussion, allerdings auch nur vor einem Bruchteil des Publikums.

Politik, das wiederhole ich gerne noch einmal, muss begeistern, wenn es die Bühne dafür hat. An dieser Aufgabe sind Kanzlerin und Vizekanzler gescheitert, wie traurig.

1 Ja, wir haben gestern im Fernsehen gehört, dass heute keine Zeit mehr ist für kontroverse Diskussionen und das man heute nicht mehr so emotional diskutieren könne. Bullshit ist das, mit wem soll man sich denn identifizieren, wenn keiner mehr eine Haltung hat?

2 Ja, ich klaue die Begrifflichkeit einfach mal von den Grünen.

Im Juli nahm ich am CSS Summit teil, einer Online-Konferenz zum spezifischen Thema CSS. Ich würde behaupten mich mit CSS gut auszukennen, doch unter anderem diesen einen kleinen Trick konnte ich aus dem Vortrag von Dave McFarland mitnehmen: Cross-Browser rgba().

Rgba() ist eine Methode um Alphatransparenz mit Farben zu benutzen, im Gegensatz zu Opacity kann man so halbtransparenten Text auf einem Hintergrundbild machen oder halbtransparente Hintergrundfarben. Nachteil der Technik: Sie ist nur für Firefox (ab Version 3), Safari und Opera 10 verfügbar. Andere Browser tun einfach nichts, wenn sie auf diese unbekannte Angabe stoßen. Beispiel:

background-color: rgba(255,255,255,.3);

Diese Angabe zeigt in den oben genannten Browsern eine halbtransparenten, weißen Hintergrund an. Andere Browser zeigen nichts an, also „Volltransparenz“, wenn man so will. Man kann sich dadurch behelfen, dass man ihnen vorher eine Hintergrundfarbe ohne Transparenz angibt:

background-color: rgb(255,255,255);
background-color: rgba(255,255,255,.3);

Alle CSS2.1-fähigen Browser zeigen nun einen rein weißen Hintergrund an, wenn sie diese beiden Regeln sehen, da sie die zweite „einfach“ ignorieren. Diese Art von (nicht-)transparentem Hintergrund funktioniert auch im IE8, im Firefox 2 und Opera. Doch für IEs gibt es eine Möglichkeit ebenfalls transparente Farben zu nutzen (obwohl es natürlich nicht halb so schön ist wie rgba()).

Im IE nutzen wir die proprietären Filter um den Effekt zu erzeugen. DXImageTransform.Microsoft.gradient kann nämlich nicht nur Farbverläufe zeichnen, sondern auch halbtransparente Farbverläufe. Wenn sich die Verlaufsfarben dabei nicht verändern bedeutet das faktisch eine halbtransparente Fläche.

Indem wir unserem Element nun folgenden Code mitgeben bekommt es in IEs<8 eine transparente Fläche:

filter:progid:DXImageTransform.Microsoft.gradient(
  startColorstr=#4CFFFFFF,endColorstr=#4CFFFFFF);

Erklärungsbedarf benötigen sicher die startColorstr und endColorstr-Werte. #4CFFFFFF ist ein Hex-Wert, der sich aus zwei Bestandteilen zusammensetzt: #4C als Grad der Transparenz (#4C = hex(.3*255)) und #FFFFFF für die Farbe.

Das Problem im IE8, da er die CSS-Regeln beachtet hat er ja den weißen Hintergrund für die älteren Browsermodelle. Das müssen wir ihm noch abgewöhnen. background-color: transparent9; wird nur vom IE8 verstanden (fragt nicht warum, ich hab’s bei Dirk gefunden).

Noch einmal das gesamte CSS auf einen Blick:

background-color: rgb(255,255,255);
background-color: rgba(255,255,255,.3);
background-color: transparent9;
filter:progid:DXImageTransform.Microsoft.gradient(
  startColorstr=#4CFFFFFF,endColorstr=#4CFFFFFF);
zoom:1;

Also: Wir setzen eine Standard-Hintergrundfarbe, überschreiben sie für Moderne Browser mit der halbtransparenten Variante, entfernen sie aber für den IE8 ganz. Dann benutzen wir den IE-Filter um einen halbtransparenten Gradient ohne Farbwechsel zu erzeugen. Und zum Schluss geben wir dem Element noch hasLayout, das braucht der IE6 nämlich um den den Trick überhaupt darzustellen (und schadet ansonsten niemandem).

Beispiel- und Testseite

(Wer Transparenz auch für FF2 und OP<10 benötigt sollte das mit einem halbtransparentes PNG bewerkstelligen oder alternativ Dirk Jesses Lösung benutzen, die aber ein zusätzliches, rein zu Präsentationszwecken eingefügtes div benutzt – und dessen Beitrag mich zu diesem Beitrag inspiriert hat.)