Im Gegensatz zu anderen Menschen behaupte ich nicht, dass ich Dinge vorhersagen kann. Ich erlaube mir dennoch eine kleine Beobachtung auf das Jahr 2009 zu übertragen:

HTML5 wird 2009 seinen großen Durchbruch erleben.

Warum? Führende Opinion Leader vertrauen der neuen Technologie, zum Beispiel Jeffrey Zeldman, Eric Meyer und Jeremy Keith.

Neben dem von mir gestalteten A-Tag ’08, der die neuen Möglichkeiten noch sehr sporadisch einsetzt und im Oktober veröffentlicht wurde (Erster!), gibt es nun gleich zwei Weitere Konferenzen, deren Webseiten auf HTML5 setzen und die damit auch einen kleinen Trend vorgeben: An Event Apart, eine ganze Serie von hochpreisigen und hochqualitativen Web-Events setzt genauso wie die ebenso hochpreisige und Qualitative UX London auf den neuen Standard.

Es gibt allerdings noch einige Probleme mit der Implementation in den Browsern, so verweigert der Firefox 2 unbekannten Elementen, die Block-Elemente beinhalten, den eigenen Block-Zustand und schließt sie direkt wieder. Das ist natürlich nicht optimal, der Anteil der Firefox-2-Benutzer schrumpft aber zugunsten des Firefox 3 stetig, so das uns das nicht wirklich langfristig Probleme machen wird. Bis dahin kann man sich mit zusätzlichen div-Elementen helfen.

Der IE lässt das styling von unbekannten Elementen nicht zu, es sei denn man meldet sie per Javascript an:

document.createElement("abbr"); // Yes, IE there is an abbr element in HTML
document.createElement("dialog"); // And a dialog as well.
document.createElement("article"); // Articles
document.createElement("nav"); // Navigation

Das sind alles einfache Workarounds für diese Problematik. HTML5 ist definitiv praxistauglich, auch wenn einiges noch nicht so einfach und intuitiv funktioniert, wie es sollte – aber das tut es ja ansonsten auch nicht.

Die Browser werden die neuen Sachen in diesem Jahr weiter und immer besser unterstützen, auch der IE in Version 8 wird da einen Schritt nach vorne machen. Nun fehlt nur noch die umfassende Unterstützung für die wichtigen CSS3-Standards (Abgerundete Ecken, Schatten, Advanced Layout, Webfonts usw. usf.) und die Webentwickler-Welt wäre wieder einen guten Schritt perfekter. (Ja, und mir ist es völlig wurscht ob der IE6 das nicht kann.)

8 Gedanken zu “Das HTML5-Jahr

  1. Die ORF.at Futurezone ist derzeit mit HTML5 Doctype ausgestattet und bisher gabs noch keine Bugreports deswegen. Ist also durchaus praxistauglich im Sinn von “tauschen wir mal den Doctype aus”, bleibt aber noch ein ziemlich unfertiger gesamter Standard, wo sich noch einiges ändern kann und wird. Oder liege ich da falsch?

  2. Ja, Änderungen kann es immer mal wieder geben.

    Grundsätzlich triggert der neue Doctype aber den Standards-Modus, weshalb es mit bestehenden X/HTML-Seiten keine Probleme gibt, lediglich die neuen Elemente und Attribute werden noch nicht voll unterstützt.

    Fundamentale Änderungen sollte es eigentlich keine mehr geben, klar kann immer mal ein Element abgeschafft und ein neues dazu erfunden werden, aber das wird die Ausnahme bleiben, es geht im Moment echt nur mehr um Details, davon einige, die niemandem wirklich auffallen werden :) (aber wichtig für Browserhersteller usw. sind).

  3. Ich will deine Euphorie nicht unbedingt stoppen – aber ich sehe diesen Durchbruch noch nicht so schnell. OK, wir können nun alle unsere Kopfzeilen auswechseln und ein paar physische Elemente ersetzen und die Seiten durch den Validator hauen. Aber sind wir dann wirklich bei HTML5 angelangt?

    Nützliche Dinge, wie <Video> werden sicher den Durchbruch beschleunigen. Spätestens wenn youtube umstellt, werden viele nach neuen Browsern Ausschau halten.

    Ansonsten hinterläßt der aktuelle Entwurf sicher noch viele Fragen offen. Manche sind vielleicht spitzfindig (z.B. der Widerspruch innerhalb der Definition von header), einige sind sicher noch essentiell. Ich habe mich in die letzten Tage etwas intensiver mit den neuen Formularfeldern beschäftigt – und stelle ich zumindest die Praxistauglichkeit (bei vielen) in Frage.

  4. Hallo René, kannst du das bitte ein wenig spezifischer ausführen, deinen Artikel zu den Eingabefeldern werde ich bei Gelegenheit noch ausführlich kommentieren. Das tolle an VIDEO ist ja, dass man eben keinen neuen Browser braucht sondern die Flash-Alternative bis zur Verbreitung einfach als Alternative in das Element hineintun kannst. HTML5 wird nicht machen, dass Seiten nicht mehr funktionieren, wenn der User Agent das nicht kann.

  5. Wenn du den Widerspruch bei header meinst:

    >>The header element represents the header of a section. [..] However, header elements may contain more than just the section’s headings and subheadings [..]<<

    Im ersten Satz ist etwas von repräsentieren zu lesen. Wenn ich trotzdem noch die konkrete Überschrift reinpacke, dann repräsentiert ja header nicht die Überschrift, sondern es enthält sie – eben wie der zweite zitierte Satz.

    Wenn der header die Überschrift (und nebenher noch andere Elemente) enthält, warum wird dann dem Header pauschal der Rang von h1 zugeschrieben? (Zumal das Festsetzen auf einen absoluten Rang auch nicht der XHTML2-Idee entspricht: die Anzahl der verschachtelten sections bestimmt den Rang.)

    Wenn ich dich richtig verstehe, soll ich also stets das Video nach wie vor in einer Flash-Variante anbieten (denn nur dann wäre die Abwärtskompatiblität gegeben)? Welchen Vorteil bringt mir als Seitenbetreiber dann eigentlich HTML5? Ich will ja weg von Flash.

  6. Es geht darum im Header auch meta-Informationen mitzugeben, der zweite Satz ist meines erachtens dazu da, dass man nicht den Eindruck bekommt, dass da nur die Überschrift des Artikels hineinkommen darf.

    Denke an einen Zeitungsartikel, der neben der Überschrift noch ein Datum und vielleicht noch eine Kategorie enthält.

    Das Festsetzen auf h1 gilt natürlich nur im Section Kontext, ist also zur XHTML2-Idee durchaus kompatibel.

    Represents ist steht für die Semantik des Bereichs. Es repräsentiert eine Kopfbereich, der für die gesamte Section gültig ist, wie das beispielsweise bei Autoren und oder dem Datum des Artikels der Fall ist.

    Zu Flash: Solange du die Mehrheit deiner Nutzer unterstützen möchtest und Menschen nicht ausschließen magst, die keinen HTML5-kompatiblen Browser benutzen, wirst du nicht zu einer alternativen Flashversion herum kommen. Wo liegt der Vorteil als Seitenbetreiber? Zum einen fällt bei neueren Browsern die Konvertierung von Videos weg, zum anderen sind nicht-Flash-Varianten eventuell resourcenschonender und verbrauchen weniger Bandbreite.

    Leider gibt es noch keinen Konsens zum Codec, weshalb Opera OGGVorbis-Dateien abspielt, Firefox aber nur MP4-Dateien. Hier wird gerade die rechtliche Situation geprüft und danach wird dieser Bereich finalisiert… Video ist meines erachtens leider noch eine der großen Baustellen in der Spezifikation.

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