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Wechselstimmung?

Den Sieg kann zweierlei noch gefährden: All zu viel Siegesgewissheit und – hier wird die Koalition ansetzen – der Zwang zur Konkretisierung. Verblüfft beobachtet das Publikum, wie die Machtanwärter beim Streit um ihre Steuerreform plötzlich an die Instrumente denken (Entfernungspauschale, Eigenheimzulage usw.), die sie den Regierenden im Bundesrat eben noch verweigerten.

Die Frage ist aber, ob solche Nuancen im kommenden Wahlkampf überhaupt interessieren. Carstensen und Rüttgers haben es ja vorgemacht, wie ein Wahlkampf des Ungefähren funktioniert, selbst gegen Amtsinhaber mit Machtbonus.

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Bald hat die Republik die Wahl. Viel wird jetzt auf den Tisch kommen. Politik im Turbo-Tempo. Die SPD wird auf Konkretisierung setzen, die Union auf Stimmung. Das Duell Merkel – Schröder hat ganz eigene Gesetze, Mann gegen Frau, das bringt die gewohnte Schlachtordnung durcheinander, mit hohem Macho-Risiko. Die kleinen Parteien werden eher am Rande stehen und um Beachtung kämpfen.

Interessant werden könnte die Rolle der PDS. Auch die Postsozialisten wittern wegen der schlechten Stimmung im Osten Morgenluft. Und ganz im Verborgenen kommt die PDS in den Bundestag – dann wird es eine Große Koalition geben. Der Zeitgeist ist unbestimmt und widersprüchlich, und das Land immer noch gespalten. Ist die Zeit wirklich schon reif für die ganz große Wende?

Quelle: ZDF-Kolumne Freytag – Die Woche in Berlin, Ausgabe vom 27.05.2005: Generation 2005 – Wahlen in Zeiten
der Widersprüche

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