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Gerrit sucht Spenden...

Vor einigen Tagen habe ich in meinem Podcast noch darüber geredet, Thema war “How to monetize your website?” und ich habe gesagt, dass wir vermehrt “Spezifische Werbung” und “Site Sponsoring” sehen werden.

Nun bereichert Gerrit van Aaken, prägnant-pragmatischer Weblogger und Podcaster, das Angebot an möglichkeiten noch um einen weiteren Faktor: Die große Macbook-Spendengala auf praegnanz.de heißt der reißerische Titel seines Versuchs die verehrte Weblog-Leserschaft zu mobilisieren.

Doch in den Kommentaren zum dazugehörigen Weblog-Eintrag muss er Prügel einstecken:

vielleicht solltest du die spendengala auf das loudblog begrenzen und nicht dein in letzter zeit mehr und mehr privat genutztes blog dafür nehmen. thomas Junold

sorry, das ist einfach schlecht. es gibt ne menge leute, die auch für nichts mehr machen als du. und die betteln nicht so billig. jan

Betteln müssen ist arm. Betteln sollte nur, wer es wirklich nötig hat. Du hast das nicht. Deine Aktion wäre durch das Loudblog legitimiert. Ein Hinweis auf den Spenden-Button auf der Loudblog-Seite hätte es auch getan. [...]
Bist du denn so frustriert, dass deine Diplomarbeit nicht honoriert wird? Hast du dafür keine gute Note und einen guten Abschluss bekommen? Reicht es dir nicht, dass viele Podcaster dein Programm benutzen und du dir dadurch einen sehr guten Namen gemacht hast mit dem dir in Zukunft viele Türen offen stehen? Daniel Peters

Ich glaube die Diskussion geht ganz klar am Thema vorbei. Gerrit hat in den letzten Jahren gute Arbeit geleistet und testet, was denn aus so nem Blog und seiner Diplomarbeit, Loudblog, herauszuholen ist. Es mag ja sein, dass es arm ist zu Betteln aber in unserer Gesellschaft muss niemand ernsthaft betteln, selbst mit Harz 4 ist man noch gut abgesichert.

Deshalb ist es vielleicht sinnvoll Gerrits “Spendenaufruf” mal ganz nüchtern zu betrachten und zu sehen, dass er lediglich sehr aggressiv, vielleicht marktschreierisch, auf seinen Spenden-Button aufmerksam macht:

Ich hatte übrigens knapp ein Jahr lang einen Donate-Button auf meiner »essays«-Seite. Von dem hat niemand in irgendeiner Form Noti[z] genommen, weder positiv noch negativ. Kaum mache ich ein paar lustige Fotos und lege eine Sonderseite an, schon ist das auf einmal etwas völlig anderes. Da kann man auch sehr schön sehen, wie uns die Verpackung einer Botschaft beeinflusst. Insofern ein hochinteressanter Thread! Gerrit

Zumindest ist sein Ansatz lobenswert, auch wenn er als Pionier wahrscheinlich scheitern wird oder zumindest einiges an “schlechtem Karma” aus der Aktion mitnehmen könnte. Lobenswert deshalb, weil dem Leser eines Weblogs, bzw. dem Benutzer einer Software, klar sein muß, dass hinter den Einträgen Menschen stehen, die ihre reelle Zeit investieren. Natürlich kann Gerrit für die 1400 Euro, die sein Spendenziel sind, für seinen Arbeitgeber arbeiten. Aber er hat ja schon gearbeitet, und zwar für sich. Und auch in seiner Freizeit. Und vielleicht auch das ein oder andere Mal nachts. Aber entwertet das seine Arbeit? Nein. Im Gegenteil.

Es scheint mit eine typisch deutsche Diskussion zu sein. Was in der Freizeit erarbeitet wurde darf unter keinen Umständen einen Wert haben.

Und die die sich daran stören und in direkte Konfrontation und Oppossition gehen sollten sich fragen, weshalb sie Gerrits Weblog noch in ihrem Feedreader haben, sicher nicht, weil sie seine Artikel schätzen, die sind ja wertlos.

Da bin ich doch glatt froh, dass ich meine Pläne, Werbung auf dem Snookerblog zu schalten, noch nirgendwo veröffentlicht habe. Und wenn jemand daran zweifelt, dass Weblogs sich auch monetär auszahlen können, der möchte doch mal die Weblogs im 9rules-Netzwerk anschauen. Dort zahlen Werbekunden, keine Nutzer, aber das macht keinen Unterschied.

Ich wünsche Gerrit auf jeden Fall Erfolg bei seinem Vorhaben und vielleicht gibt’s von mir (als treuer Leser und Loudblognutzer) auch ein paar Euronen.

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